Moers: Luther contra Gespenster
VON CHRISTIAN SCHROEDER - zuletzt aktualisiert: 31.10.2008Moers (RPO). Der letzte Oktobertag ist heutzutage für viele Menschen Halloween, ursprünglich jedoch der Reformationstag. Immer mehr evangelische Gemeinden setzen dem Partyprogramm eigene Veranstaltungen entgegen.
Auf den ersten Blick scheint die zunehmende Popularität des Halloween-Festes ein Problem für die Kirche zu sein. Aber die „Konkurrenz“ durch die Kürbisfratzen hat das Selbstbewusstsein der evangelischen Kirche um den 31. Oktober offenbar wieder belebt: Immer mehr Gemeinden feiern den heutigen Reformationstag ganz explizit mit Gottesdiensten.
Am 31. Oktober 1517 schlug Martin Luther seine berühmten 95 Thesen gegen den Ablasshandel der katholischen Kirche an die Schlosskirche zu Wittenberg. Der Papst lehnte Luthers Gedanken ab, die Kirche spaltete sich, die evangelische Kirche entstand. Im September begann in Deutschland die Luther-Dekade, die auf das Jubiläum des 500. Jahrestags des Thesenanschlags im Jahr 2017 zuarbeitet.
„Der 31. Oktober ist sozusagen die Geburtsstunde der reformierten Kirche“, sagt der niederrheinische Professor für evangelische Theologie und Kabarettist Okko Herlyn. Er macht keinen Hehl daraus, dass er den amerikanischen Halloween-Brauch ablehnt.
Konsumfeste aus Amerika
Nein, Angst müsse die Kirche keineswegs haben vor diesem importierten Brauchtum. „Dazu ist Halloween viel zu inhaltslos“, meint Herlyn. „Aber wir müssen uns in Deutschland fragen, welches Selbstbewusstsein wir denn haben, wenn wir Halloween hier mitmachen und darüber Luther, der wirklich etwas zu sagen hatte, vergessen“, sagt der Professor.
„Konsumfeste aus Amerika importiert haben mit Glauben nichts tun“, erklärt auch Ferdinand Isigkeit, Superintendent des Kirchenkreises Moers. „Für Protestanten steht am 31. Oktober nach wie vor das Reformationsfest im Mittelpunkt des Interesses. Aus gutem Grund: Sie wissen, dass sie das Heil und das Glück nicht aus sich selber schaffen, sondern auf Gottes Gnade angewiesen sind.“
Herlyn warnt davor, Halloween kategorisch zu verfluchen. Kindern oder jungen Menschen zu verbieten, Kürbisfratzen faszinierend und Gruselverkleidungen interessant zu finden, würde eventuell das Gegenteil bewirken und die Kirche als „Spaßverderber“ dastehen lassen. Stattdessen solle die Kirche selbstbewusst den Reformationstag feiern und das Thema auch in den „Subsystemen“, also etwa im Kindergarten, angehen.
Im Kirchenkreis Moers haben sich einige Gemeinden für die heutigen Gottesdienste Besonderes ausgedacht: Zum Beispiel terminierte die Kirchengemeinde Lintfort ganz bewusst die Gemeindeversammlung als kirchendemokratischen Akt im Anschluss an den Gottesdienst, der die Reformation feiert. In Hoerstgen hat der Männerkreis den Gottesdienst vorbereitet.
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