Moers: Malen im Paradies
VON HERIBERT BRINKMANN - zuletzt aktualisiert: 29.07.2010Moers (RPO). Ein Hit im VHS-Programm ist immer die Sommerakademie. Der Moerser Künstler Jörn Kempfer lud zum elften Mal zum Malen nach der Natur in den Garten seines Hauses an der Römerstraße ein.
Die Pizza am Mittag kommt von der Pizzeria "Paradiso". Aber auch so ist der 2700 Quadratmeter große Garten hinter dem Haus ein wahres Paradies. Der Moerser Künstler Jörn Kempfer wohnt und arbeitet jetzt dort. Den Garten hat sein Großvater angelegt – und sich wahrscheinlich nicht träumen lassen, dass eines Tages die Volkshochschule dort Sommerakademien veranstaltet.
In diesem Juli ist es bereits die elfte Sommerakademie, und einige der – ausschließlich weiblichen – Teilnehmer sind von Anfang an dabei, zumindest zum wiederholten Male. Und wie es sich für ein Paradies gehört, steht mitten im Garten ein nackter Mann. Malen nach Aktmodell ist an diesem Tag das Thema.
Tägliches Ritual: Die Besprechung
Sommerakademie, das bedeutet für Jörn Kempfer drei Wochen hintereinander drei verschiedene Gruppen mit jeweils zehn Teilnehmern mit unterschiedlichen Themen zu betreuen: Auf "Malen nach der Natur" folgen "freie Komposition und experimentelles Malen" und danach "Skulpturales Gestalten mit Stein". Wie gut, dass Kempfer beides auch im eigenen Werk pflegt. Nach seinem Studium an der Universität der Künste in Berlin ist der heute 52-jährige Künstler als freischaffender Maler und Bildhauer tätig. Während der Sommerakademie muss er von Montag bis Freitag von 9 bis 17 Uhr unterrichten. Außer den praktischen Übungen gibt es Exkursionen in Museen, Vorträge und täglich um 16.30 Uhr die Besprechung der Arbeiten.
Im ersten Kursus der Sommerakademie sind neun Frauen im Alter von Anfang 20 bis über 70. Frauen sind im Kultur-Angebot in der Überzahl, weiß Heike Wrede, VHS-Fachbereichsleiterin Kunst und Kultur. Muss man für die Sommerakademie Talent mitbringen? Für Kempfer ist das nicht der Punkt, ihm geht es mehr um die intensive Beschäftigung. "Dabei ist definitiv noch nie jemand gescheitert."
Beim neugierigen Blick auf die Staffeleien im Garten ist mehr Kompliment als Kritik angebracht. Anja Reutlinger, die sich in den hinteren Teil des Gartens verzogen hat, ist seit vier Jahren dabei und sehr fortgeschritten. Im vorderen Teil rund um das Aktmodell fallen die Bilder höchst unterschiedlich aus. Maren Ueltgesforth malt ohne Vorzeichnung mit Acrylfarben. Eva Lohmann hat das Modell in blau-grün übersetzt, Viola Quiring in blau-orange – auch formal ganz andere Ansätze. Und Karin Gansekow freut sich, dass sie keine Steinmauer malen muss. Ihr "Adam" wurde ganz mit Blau gemalt. Das Modell steht derweil ruhig im Garten. Stillstehen ist ganz schön anstrengend.
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