Moers: Michalke vor Rücktritt
VON ANJA KATZKE - zuletzt aktualisiert: 24.02.2010Moers (RPO). Im Aufsichtsrat der Moers Kultur GmbH hat es mächtig geknallt. Festivalchef Reiner Michalke forderte eine klare Positionierung für oder gegen das Moers Festival ein. Er wolle den Weg frei machen für eine unbelastete Diskussion.
Festivalchef
Reiner Michalke hat 2005 die Leitung des Festivals von Burkhard Hennen übernommen. Der Fünf-Jahres-Vertrag mit dem künstlerischen Leiter läuft mit dem bevorstehenden Festival aus. Derzeit befindet man sich in Vertragsverhandlungen. Das Programm des Moers Festivals zu Pfingsten wird am 4. März vorgestellt.
Reiner Michalke muss kräftig auf den Tisch gehauen haben: So liest sich zumindest seine Erklärung, die er in der nicht-öffentlichen Sitzung des Aufsichtsrats am Montagabend vorgetragen hat und die der RP-Redaktion schriftlich vorliegt: Der Festivalchef kritisiert darin die Zusammenarbeit mit der Geschäftsführung der Moers Kultur GmbH, was das Sparen angeht, und die Verhandlungen über die Verlängerung seines Vertrages, der mit dem diesjährigen Pfingstspektakel ausläuft. Gegenüber dem Grafschafter wollten weder Reiner Michalke noch Aufsichtsratsmitglieder der Moers Kultur GmbH gestern mit Verweis auf die Nicht-Öffentlichkeit die Ereignisse kommentieren. Hintergrund sind die Sparvorschläge des Kämmerers aufgrund der desolaten Moerser Haushaltssituation. Das Moers Festival soll ab 2014 mit 175 000 Euro an Zuschüssen weniger auskommen.
Finanzieller Druck auf Inhalte
Die Erklärung des Festivalchefs wird in Moers inzwischen quasi als Rücktrittsandrohung gewertet. So wie es aussieht, verliefen die Vertragsverhandlung bisher ergebnislos und nicht zufriedenstellend. Tatsächlich heißt es in Michalkes Erklärung in punkto Vertragsverhandlung: "Ich schätze das Festival außerordentlich. Deshalb stelle ich das Wohl und die Zukunft des Festivals über meine persönlichen Belange und möchte den Weg frei machen für eine unbelastete Diskussion ohne Rücksicht auf Personen." Er fordert darin den Aufsichtsrat auf, sich Klarheit darüber zu schaffen, ob er in Zukunft ein Moers Festival haben will und wenn ja, welches Festival mit welchem Budget er sich vorstellt. Weiter heißt es in der Erklärung: "Falls ich dann Ihrem Suchprofil noch entsprechen sollte, steht es Ihnen frei mich anzusprechen und mir einen verbindlichen Vertragsvorschlag zu unterbreiten." Reiner Michalkes Kritik richtet sich offenbar auch an die Geschäftsführung der Moers Kultur GmbH. Wie aus der Erklärung hervorgeht, stellt der Festivalchef keinen Sparwillen in den von der Geschäftsführung verantworteten Bereichen fest. Das betrifft beispielsweise die Infrastrukturkosten. Kürzungen soll es, wie es scheint, nur im inhaltlichen Bereich geben: "Solange die Geschäftsführung weder bereit ist, signifikante Einsparungen bei den Infrastrukturkosten vorzunehmen noch einen alternativen Standort in Erwägung zieht, wird sich der finanzielle Druck unweigerlich auf den künstlerischen Inhalt konzentrieren. Diese Perspektive kann für mich als künstlerischer Leiter nicht befriedigend sein", heißt es in der Erklärung.
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