Moers: Mit dem Walking-Bus zur Schule
zuletzt aktualisiert: 17.02.2010Moers (RPO). Montags um 7.55 Uhr vor der Reichweinschule in Vinn: Autos stehen kreuz und quer im Halteverbot – Kinder, die zu Fuß unterwegs sind, kommen kaum über die Straße – Autofahrer hupen und sind vom Verkehrschaos genervt. Dienstags bis freitags sieht es nicht viel anders aus.
Der Grund liegt auf der Hand: Eltern bringen ihre Kinder mit dem Auto zur Schule. Auch in anderen Stadtteilen ist die Situation ähnlich. Das könnte sich bald ändern. An der Reichweinschule ist man zumindest auf dem besten Wege – im wahrsten Sinne des Wortes.
Hier gibt´s nämlich seit Mitte Februar den "Walking Bus" im Rahmen des Projektes "Gesunde Kinder in gesunden Kommunen" (GKGK). Die Mädchen und Jungen laufen ab sofort in Gruppen auf festgelegten "Busrouten" gemeinsam zur Schule. Der Fachdienst Sport der Stadt Moers koordiniert die Aktion, die Universität Duisburg-Essen betreut GKGK wissenschaftlich. Die reflektierenden Warnwesten und –mützen hat die Kreisverkehrswacht Wesel gesponsert. Der Moerser Bereichsleiter Rüdiger Kehl hat die "Busläufer" zudem persönlich bei den Vorbereitungen und der Durchführung unterstützt.
Ziel ist die Förderung eines aktiven Schulwegs, um die täglichen Bewegungszeiten zu erhöhen. Außerdem nimmt die Verkehrsbelastung auf den Straßen dadurch ab. Die Idee setzte der Sozialforscher David Engwicht im Jahr 1991 in seiner Heimatstadt Brisbane (Australien) erstmals um.
So wirkte er der damals schon schwindenden Aktivität von Schulkindern entgegen. Drei "Busse" mit jeweils bis zu sechs Zweitklässlern sind an der Reichweinschule bereits eingerichtet. An mehreren Haltestellen werden weitere "Mitfahrer" aufgenommen. Auch wer einen längeren Weg hat, könnte hier einsteigen. Die zu häufig angefahrene Schule wäre dann nicht mehr das Ziel der Autofahrt. Die Länge der Routen beträgt ein bis zwei Kilometer, sodass die Kinder maximal 30 Minuten für die Wege benötigen.
Und was sagt der "Premieren-Bus" – bestehend aus Marlon, Phil, Alen, Henrik, Max, Lucie, Benita, Anna, Lina und Eren? Die finden natürlich erst einmal die Westen toll: "Dann sieht man uns besser, wenn es dunkel ist." Und der Schulweg ist jetzt nicht mehr so langweilig, denn "wir können uns unterhalten oder Spiele machen." Und die Sicherheit ist ihnen auch wichtig. "Wir passen auf, dass keinem was passiert." Vor allem Letzteres ist für die Eltern ein bedeutender Aspekt. "Wir machen uns weniger Sorgen, wenn die Kinder gemeinsam gehen", berichtet Mutter Bettina Neumann.
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