Moers: Mit Hartnäckigkeit zum Ziel
VON ANJA KATZKE - zuletzt aktualisiert: 17.10.2008Moers (RPO). Kurt Zentzis aus Moers hat im Fischer-Verlag das Buch „Niederrhein – Begebenheiten aus alten Zeiten“ veröffentlicht. Doch hinter der Entstehung dieses Buchs verbirgt sich eine ganz andere spannende Geschichte.
Kurt Zentzis hat ein kleines Geschichtsbuch über den Niederrhein geschrieben, das für alle Heimatforscher interessant sein dürfte. Er selbst beschreibt seine Arbeit als den Versuch eines historischen Rückblicks auf Ereignisse und Begebenheiten, mit denen es die Menschen am Niederrhein zu tun hatten. Dafür hat der Moerser Pensionär historische Daten und Fakten von der Steinzeit bis zum 17. Jahrhundert zusammengetragen, die er kurz und bündig, aber auch launig erzählt. Das Wissen über das Zeitalter der Glaubenskämpfe, über Religion und Kirche am Vorabend der Reformation und die Zeit des Dreißigjährigen Krieges zum Beispiel kommt jedoch nicht von ungefähr. Und das ist die vielleicht noch spannendere Geschichte, die sich hinter diesem Buch verbirgt: Kurt Zentzis betreibt seit 50 Jahren Ahnen- und Familienforschung. „Dazu ist Hintergrundwissen erforderlich. Man muss die historischen Zusammenhänge kennen“, sagt der Autor.
Familiensaga und mehr
Kurt Zentzis, geboren 1928, lebt in Moers. Der ehemalige Verwaltungswirt ist heute Pensionär. 2004 verfasste er eine zweibändige niederrheinische Familiensaga mit mehr als 900 Seiten: „Wer war Dereck in gen Lohr?“. Darüber hinaus veröffentlichte er in diversen Anthologien und schrieb Beiträge zur Heimat- und Kulturgeschichte in vielen Jahrbüchern des Kreises Wesel. Sein neues Werk „Niederrhein – Begebenheiten aus alten Zeiten ist im K. Fischer-Verlag erschienen.
ISBN 978-3-89514-818-7
Kirchenbücher und Standesämter
Den Ursprung der eigenen Familie kann Kurt Zentzis elf Generationen zurückverfolgen: „Im Jahr 1711 hat eine Zentzis in zweiter Ehe einen Mann namens Potthoff geheiratet“, erzählt der 80-jährige Moerser. Die Begeisterung für die Familienforschung weckte die Großmutter väterlicherseits. „Sie war eine pfiffige Frau mit einem guten Gedächtnis“, erinnert sich der Pensionär. Nichts war spannender als ihren Geschichten und Anekdoten zu lauschen. „Ich habe alles notiert, was sie uns erzählte.“ Schon bald ließ ihn das Thema nicht mehr los. Er beschäftigte sich mit Heimatkunde und Geschichte, schloss sich entsprechenden Vereinen und Verbänden an. „Man muss neugierig sein und wissen wollen, woher man kommt.“ Denn für die Ahnenforschung braucht man detektivisches Gespür. Viele Urlaube hat er für die Recherchen geopfert, und so entstanden in zehn Jahren acht Chroniken, zuletzt eine über die Familien Schwinn und Wiegand. „Es ist kein preiswertes Hobby. Für jede Kopie muss man eine Gebühr bezahlen“, erzählt er. Fündig wurde Zentzis oft in Kirchenbüchern.
„Sie sind für die Familienforschung wichtig. Aber man muss sie lesen können.“ Nicht nur, dass viele in Sütterlin geschrieben sind, die Informationen sind oft spärlich. „Dort heißt es zum Beispiel: van Berg gestorben. Um damit etwas anfangen zu können, muss man wissen, wie die Menschen gelebt haben.“ Als mit den Franzosen die Standesämter am Niederrhein Einzug hielten, sei endlich Ordnung in die Daten gekommen. Hartnäckigkeit sei eine der wichtigsten Eigenschaften, betont Kurt Zentzis und seine Augen beginnen zu leuchten: Vor einigen Jahren arbeitete er an einer Chronik, bei der es scheinbar nur eine kleine Lücke zu schließen galt. Doch sie wurde zur Herausforderung: „Es ging um einen Mann, der bei einem Grubenunglück ums Leben gekommen sein soll. Mehr wusste man nicht über ihn.“ Zwei Jahre forschte der Moerser, blieb diesem Zeitgenossen beharrlich auf der Spur, bis er im Bergwerksarchiv Sandershausen endlich fündig wurde. „Eines Tage erhielt ich die Personalakte des Mannes mit Passfotos und, und, und. Er war bei einer Kesselexplosion gestorben.“
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum




