Moers: Mit Herzblut mitten drin
VON SABINE HANNEMANN - zuletzt aktualisiert: 01.02.2007Moers (RPO). Uschi Tschuschke geht Ende März in den Unruhestand. Fast 30 Jahre hat sie in der Kulturhalle die Fäden zusammengehalten. Engagiert und mit Herzblut, so kennt man die Hausmeisterin.
VLUYN Momentan kommen die Termine während der Session Schlag auf Schlag. Gestern noch feierten die Frauen von St. Antonius ihren jecken Nachmittag. Heute probt das Vluynsche Linnewäver-Theater. Immer mit dabei Uschi Tschuschke (64), denn die Kulturhalle ist ihr eigentlicher Arbeitsplatz. Seit fast 30 Jahren. Im Thekenbetrieb ist sie Pächterin. „Ich bin die erste, die morgens kommt, und die letzte, die abends geht“, meint die Hausmeisterin. Das kann schon mal spät werden, denn die Kulturhalle ist Ort für diverse Veranstaltungen. Dabei bleibt immer Zeit für einen Plausch, aber auch brandaktuelle Neuigkeiten an der Theke, „die oftmals gar nicht stimmen“, winkt die Hausmeisterin ab.
„Oft eine Sieben-Tage-Woche“
Geschichte
Das Gebäude am von-der-Leyen-Platz 1 wurde ab 1938 auf dem Gelände des Gasthofes „Zum Preußischen Adler“ gebaut. Als Fest- und Turnhalle konzipiert und genutzt, bietet sie später viele Nutzungsmöglichkeiten. Die erste Buchausleihe war erst unten im Wärterhäuschen möglich, später im Obergeschoss. Ab 1965 wurde der Innenbereich für kulturelle Veranstaltungen umgebaut und mit Bühnentechnik versehen. Seit 1976 ist im Haus das Heimatmuseum untergebracht. Der gläserne Vorbau wird 1989 eingeweiht.
Ihr Job ist abwechslungsreich und sehr arbeitsintensiv. „Auch wenn das nicht so aussieht“, meint sie lachend und erzählt von dem Holzfußboden aus Mooreiche im Saal, der nur mit Bohnerwachs gepflegt wird. Zu diversen Seminaren kommen rund hundert Termine im Jahr. Die Kulturhalle ist gut gebucht und gibt sich multikulturell, wenn dort marokkanische, türkische oder jugoslawische Hochzeiten gefeiert werden. Ausstellungen, Musik-, Theater- und Kabarettveranstaltung sorgen für ein volles Haus. „Das ist oft eine Sieben-Tage-Woche. Die Matineen sind sehr schön und immer gut besucht“, so Uschi Tschuschke, die sich gerne im Hintergrund hält. Auch für die Betreuung und die kleinen Extrawünsche der Künstler ist sie zuständig. Sie hat sie alle kennen gelernt, beispielsweise eine Lore Lorentz, die bereits am Nachmittag zum Einproben kam oder einen Hanns Dieter Hüsch. „Den möchte ich. Ein Mensch durch und durch und total normal“, hat sie festgestellt. Ihr Fazit: „Von denen war kaum jemand abgehoben.“ Die Kulturhalle mit Saalbetrieb ist rund um den Ortsteil Vluyn das einzige Angebot für große Veranstaltungen.
Kehrseite der Medaille: Der gläserne Vorbau ist im Winter zu kalt und im Sommer zu warm, der Saal hat keine Klimaanlage. „Es hat immer noch alles super geklappt. Ich habe gerne dort gearbeitet“, meint Uschi Tschuschke im Rückblick. Jetzt freut sie sich auf einen neuen Lebensabschnitt und hat Zeit für sich, ihre drei Kinder samt Enkelkindern.
„Nicht mehr nach Termin leben, das werde ich genießen. Langeweile habe ich bestimmt nicht“, meint sie.
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