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Kamp-Lintfort: Mit Peter I. zu den Sternen

zuletzt aktualisiert: 26.07.2007

Kamp-Lintfort (RPO). Peter Gottschlich regiert als Karnevalsprinz in der kommenden Session über die Narren in Kamp-Lintfort. Die Vorbereitungen sind bereits angelaufen: Die Orden sind bestellt, die Uniform wird angepasst.

Info

KKV-Chronik

Die Geschichte des Kamp-Lintforter Karnevalsvereins hängt stark mit den Wirtsleuten der Gaststätte „Treffpunkt“ Heinz und Lotti Grossauer zusammen. Sie sammelten eine Schar Jecken um sich, mit dem Ziel, in Kamp-Lintfort einen Karnevalsverein zu gründen.

Im Februar 1979 war es dann soweit. Im „Treffpunkt“ trafen sich, laut Anwesenheitsliste 47 Karnevalsbegeisterte. Sie gründeten den KKV und wählten einen Vorstand. Schon nach kurzer Zeit war der Elferrat und die Prinzengarde komplett.

Seit 2005 führt Theo Post den Verein als Präsident an.

Als Mitarbeiter des Grafschafter berichtete er oft von den närrischen Sitzungen in Kamp-Lintfort, Moers und Neukirchen-Vluyn, in der nächsten Session ist er wieder dabei: als Prinz Peter I. Der frühere RP-Mitarbeiter Peter Gottschlich wagt sich für den Kamp-Lintforter Karnevalsverein (KKV) auf das für ihn neue Terrain. Dem KKV gehört das CDU-Ratsmitglied aus Kamp-Lintfort bereits seit 1994 an. RP-Redakteurin Anja Katzke unterhielt sich mit dem 42-Jährigen, der gerade aus einem Wien-Urlaub an den Niederrhein zurück gekehrt ist, über seine Wünsche und Ziele als Karnevalsprinz in der kommenden Session.

Herr Gottschlich, wissen Sie eigentlich, worauf Sie sich da eingelassen haben?

Gottschlich Oh ja, es ist mit die kürzeste Session, die es im Karneval bisher gab. Sie startet am 10. Januar mit dem Seniorenkarneval, und am 6. Februar ist schon wieder Aschermittwoch. Das wird ziemlich stressig. Mit drei Terminen pro Tag muss ich wohl rechnen. Ich habe mich kürzlich mit Prinzessin Anna unterhalten, die in der vergangenen Session auf mehr als 100 Auftritte gekommen ist – allerdings dauerte die Karnevalszeit 2007 ein wenig länger an als 2008. Da wird zuhause wohl einiges liegen bleiben. Als Nachhilfelehrer kann ich mir meine Zeit aber gut einteilen. Trotzdem habe ich meinen Schülern bereits gesagt, dass es Terminschwierigkeiten geben könnte, und sie zeigen – wie die Eltern – Verständnis dafür.

Dass Sie Prinz werden, hätten wohl die meisten nicht erwartet. Wie waren die Reaktionen in ihrem Familien- und Freundeskreis und unter den Karnevalisten in Kamp-Lintfort?

Gottschlich Das kam für die meisten, selbst für die Karnevalisten, überraschend. Sie haben mich anders eingeschätzt und kannten mich nur als rational denkenden Menschen. Aber ich habe auch eine lustige Seite, und die lebe ich jetzt aus.

Wie ist man auf Sie gekommen?

Gottschlich Ich habe mich selbst angeboten, weil ich das schon immer mal machen wollte. Also habe ich den KKV-Präsidenten Theo Post direkt gefragt. Für mich ist es etwas Neues. Ich hatte Lust, mich auf ein Abenteuer einzulassen. Ich werde bestimmt Freude daran haben.

Karnevalsprinz zu sein, ist nicht gerade eine preiswerte Angelegenheit.

Gottschlich Ich habe mir die zweit-teuerste Variante ausgesucht. Mit Prinzessin würde es noch teurer. Natürlich schrecken die Kosten viele ab. Drücken wir es mal so aus: Zweieinhalb Wochen Wien-Urlaub sind günstiger. Aber es ist ja keine rationale Entscheidung, Prinz zu werden. Außerdem bekomme ich finanzielle Unterstützung vom Festausschuss und von vielen Sponsoren. Kürzlich war ich auf dem CDU-Hoffest bei Stapper. Da kam jemand spontan auf mich zu und erklärte, das Wurfmaterial für meine Adjutantin sponsern zu wollen. Das finde ich sehr nett.

Wofür müssen Sie als Prinz denn sorgen?

Gottschlich Die drei großen Blöcke sind Wurfmaterial, Orden und Kostüm. Meine Uniform befindet sich derzeit in einem Atelier zum Ändern. Ich habe sie vom Ex-Prinzen Hermann Köster übernommen, der zwar nicht länger, aber in den Schultern um einiges breiter ist als ich. Die Orden sind ebenfalls schon in Auftrag geben. Es sind klassische Motivorden, auf denen das Kloster Kamp, das Bergwerk West und ein Ritter mit Schild zu sehen sind. Im KKV gehöre ich zu der Unterorganisation der närrischen Ritter. Hans Boos hat das Motiv gezeichnet. 350 Orden sind bestellt.

Und was ist mit dem Prinzenwagen? In der nächsten Session findet doch wieder ein Rosenmontagszug statt.

Gottschlich Ich fahre auf dem Wagen der Ex-Prinzen mit, auf dem eine Kutsche steht. Die Unterstützung aus dem ganzen Verein – hier von den Ex-Prinzen – ist schon riesig. Ich kann mich gar nicht genug dafür bedanken, denn die Aktiven tragen mich als Prinzen. Ein eigener Wagen wäre zu teuer geworden.

Wie lautet denn das Motto während ihrer Session als Prinz?

Gottschlich In Kamp-Lintfort gab es noch nie ein offizielles Motto. Es gibt bestimmte Traditionen, die sich noch nicht eingebürgert haben. Ich habe nur ein persönliches Lebensmotto: per aspera ad astra. Frei übersetzt: Durch einen schmerzhaften und schwierigen Lebensweg zu den Sternen.

Wie wollen Sie denn als Prinz rüber kommen, vielleicht politisch? Sie sind schließlich Christdemokrat.

Gottschlich Nein, ich will ein lustiger Prinz sein. Die Politik will ich komplett rauslassen. Jeder weiß doch, dass ich in der CDU bin. Ich könnte doch keine Spitzen gegen die SPD abschießen, ohne welche gegen die CDU zu bringen. Da sitze ich zwischen den Stühlen. Als Prinz ist man sowieso eher eine Repräsentationsfigur, die freundlich ist und nette Sätze sagt.

Welche Schwerpunkte werden sie in der kommenden Session setzen?

Gottschlich Am Herzen liegen mir besonders die Senioren- und Krankenbesuche. Ich wäre auch gerne zur Freizeit für Behinderte gegangen. Doch diese Veranstaltung fällt aus. Das ist sehr schade.

Warum gibt es in Lintfort keine Prinzenpaare? Schon Prinzessin Anna war ein karnevalistischer Single.

Gottschlich Das stimmt. In den letzten zehn Jahren gab es in Kamp-Lintfort nur drei Prinzenpaare. Die meisten Frauen im KKV wollen selbst mal Prinzessin sein. Als meine Begleitung wären sie ja nur schmückendes Beiwerk.

Quelle: RP

 
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