Moers: Moers ist nicht Düsseldorf
VON HERIBERT BRINKMANN - zuletzt aktualisiert: 09.09.2010Moers (RPO). Zweistellige prozentuale Mietsteigerungen wie in Düsseldorf gibt es in Moers nicht. Haus und Grund gibt Entwarnung. Was wirklich immer mehr fehlt, ist billiger Wohnraum. Der Markt ist auf Altersarmut nicht vorbereitet.
Düsseldorf wächst, ist attraktiv, schuldenfrei – solche Nachrichten erreichen auch Hausbesitzer. Fast 20 Jahre war Ruhe, die Mieten blieben in Deutschland relativ stabil. Jetzt haben Marktforscher bei der Immobilien-Beratungsfirma Empirica einen teuren Trend bei Neuvermietungen ausgemacht: In vielen deutschen Großstädten erhöhen die Vermieter bei einem Mieterwechsel bis zu 15 Prozent mehr. Seit Jahren gewinnen beliebte Städte neue Einwohner hinzu, in den Großstädten wuchs der Anteil an Singles, die alleine in einer Wohnung wohnen – so stieg die Nachfrage, ohne dass ausreichend Neubauten für Entspannung sorgten. In der Folge stiegen die Mieten an: In Düsseldorf kostet eine bessere Neubauwohnung im Durchschnitt 10,47 Euro pro Quadratmeter.
Spitzenwerte in Spitzenlagen
Für Moers gilt das nicht. Zwar wird der aktuelle Mietspiegel erst Mitte Oktober veröffentlicht, doch schon jetzt kann Armin Frenkert, Geschäftsführer bei Haus und Grund in Moers, Entwarnung geben. In der Grafschaft werde es keine Steigerungen wie in Düsseldorf geben. Zwar gebe es auch in Moers, etwa in bevorzugten Wohnlagen wie Schwafheim, Utfort und der Innenstadt horrend hohe Mieten, mit acht bis neun Euro fast auf Düsseldorfer Niveau, auch für Neubauten werde in der Spitze mit 7,91 Euro je Quadratmeter viel verlangt, doch in unserer Region herrschten andere Bedingungen.
Die Mietsteigerungen kommen vor allem in den Städten vor, die weiter wachsen. Je ländlicher die Kommune ist, desto niedriger ist das Mietniveau. Die Städte im Kreis Wesel hätten mit einer stagnierenden bis sinkenden Bevölkerung zu tun. Was aber in großen wie kleinen Städten fehlt, sind Neubauten. Frenkert: "Langfristig bekommen wir steigende Mieten, weil die Neubauten hinter dem Bedarf hinterher hinken."
Der Wohnungsmarkt sei auf das Thema Altersarmut überhaupt nicht vorbereitet. Die heute altersgerecht gebauten Wohnungen seien sehr teuer, Arme könnten sich diese im Alter nicht leisten. Die Gefahr hat auch die Städtische Wohnungsbau GmbH bereits erkannt. Die politisch gewünschte energetische Sanierung verteuere die Wohnungen. Schon jetzt hätten Landzeitarbeitslose es schwer, günstige Wohnungen zu finden. Die Wohnungsbau habe aber durch die Zechensiedlung Meerbeck viele günstige Wohnungen im Bestand, die auch weiter günstig bleiben sollten.
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