Moers: Moerser Marktwirtschaft
VON DIRK MÖWIUS - zuletzt aktualisiert: 29.11.2006Moers (RPO). Schon vor der Gründung verbreitet die Stadtmarketing GmbH Angst und Schrecken: Die Beschicker des Marktes wollen lieber eine eigene Firma gründen. Und die Schausteller warnen vor der Privatisierung der Kirmes.
Hauptausschuss
Um 16 Uhr beginnt heute die öffenliche Sitzung des Hauptausschusses im Großen Sitzungssaal des Neuen Rathauses. Wer sich für das Thema „Stadtmarketing“ interessiert, muss ein wenig Geduld mitbringen. Es steht auf Platz 14 der Tagesordnung, die insgesamt 32 Punkte umfasst.
Eigentlich sollte die neue Stadtmarketing GmbH für Aufbruchstimmung in der Grafenstadt sorgen. Doch derzeit verbreitet die Gesellschaft, die noch gar nicht gegründet ist, eher Angst und Schrecken. Mit großen Sorgen schauen Marktbeschicker und Schausteller auf die Entwicklung. Die Händler auf dem Wochenmarkt wollen sogar lieber eine eigene Firma gründen, bevor sie in die Zuständigkeit der Marketing GmbH fallen.
Den Neumarkt anmieten
Die Interessengemeinschaft der Marktbeschicker des Moerser Wochenmarktes, vertreten durch den Vorsitzenden Werner Gilbers, hat der Stadt deshalb einen Brief geschickt. Demnach möchte der Markt selbst eine eigene Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) gründen, die den Neumarkt dienstags und freitags über eine städtische Sondernutzung anmietet. Dieses Model werde bereits in Velbert und Duisburg erfolgreich praktiziert. Mitte Oktober bot Gilbers an, das Modell näher vorzustellen.
Dabei scheint die Zuständigkeit für den Wochenmarkt eigentlich sowieso beim Ordnungsamt zu bleiben. Die Vorlage für die heutige Hauptausschusssitzung sieht zwar eine offene Abstimmung über die Verlagerung des Bereiches auf die GmbH vor. Zugleich stellt die Verwaltung jedoch fest, dass sich die Übertragung wegen der geringen wirtschaftlichen Aspekte nicht anböte – zumal die Gebühren „kundenfreundlich“ gehalten werden sollen. Beim Thema „Übertragung“ geht es derzeit in erster Linie darum, der neuen Marketing-Gesellschaft eine solide finanzielle Grundlage zu verschaffen.
Auch bei Kirmes und Weihnachtsmarkt ist die Verlagerung derzeit kein heißes Thema – zumal der Duisburger Weihnachtsmarkt in Verantwortung der städtischen Marketinggesellschaft in diesen Tagen eine schwere Krise erlebt. Trotzdem beauftragte der Deutsche Schaustellerbund seinen Bundesgeschäftsführer, Bürgermeister Norbert Ballhaus davon zu überzeugen, einer Verlagerung auf die GmbH nicht zuzustimmen. In einem sechsseitigen Schreiben listet Helmut Gels eine Reihe von Argumenten auf. So verweist er auf die drohende Kostenspirale: Wird der Kirmesplatz für die Schausteller durch die Privatisierung teurer, müssten letzten Endes die Bürger die Zeche bezahlen. Die Traditionsveranstaltungen dürften nicht zum kommerziellen Spielball privater Interessen gemacht werden. Gels: „Nicht an der Kirmes – auf der Kirmes soll verdient werden.“
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