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Kamp-Lintfort: Nachdenken über Jugendarbeit

VON ANJA KATZKE - zuletzt aktualisiert: 16.09.2010

Kamp-Lintfort (RPO). Nach dem gewaltsamen Tod eines Mannes am Spaßbad Pappelsee setzt sich eine Beratungsgruppe der Stadt kritisch mit der Jugendarbeit auseinander. Zum Jugendhilfeausschuss legt sie ein erstes Positionspapier vor.

Wenngleich das Positionspapier nicht auf die brutale Tat in der Nacht zu Pfingstmontag eingeht, wird der gewaltsame Tod des obdachlosen Mannes als Warnung verstanden, "die zu einer kritischen Reflexion des Handlungsfeldes der Jugendarbeit führen muss". Deshalb hat sich amtsintern eine Beratungsgruppe gebildet, die aus Mitarbeitern der Jugendarbeit, des Allgemeinen Sozialen Dienstes, der Jugendhilfeplanung und der Leitung des Jugendamtes besteht.

Zur Sitzung des Jugendhilfeausschusses, der am Mittwoch, 22. September, tagt, legt die Gruppe ein Positionspapier vor, das eine Bestandsaufnahme aller Maßnahmen von Jugendhilfe und Jugendarbeit sowie Prävention umfasst. Das Positionspapier gibt außerdem einen Ausblick darauf, welche Maßnahmen in Kamp-Lintfort verbessert werden müssen. Die amtsinterne Gruppe kommt zu dem Ergebnis, dass in der Stadt bereits eine breite Angebotsstruktur in vielen unterschiedlichen Bereichen besteht.

Jugendsozialarbeit ausweiten

In der Vorlage zum Jugendhilfeausschuss werden dafür einige Beispiele aufgeführt: 3800 Kinder und Jugendliche seien über die Vereine des Stadtsportverbandes angebunden. Die Kindertageseinrichtungen würden flächendeckend zu Familienzentren ausgebaut. Auch das Frühwarnsystem "Kindernest" leiste einen effektiven Beitrag dazu, Risikofaktoren zu identifizieren und Maßnahmen bereitzustellen. Darüber hinaus seien Ganztagsschulen flächendeckend installiert.

Die Beratungsgruppe hat jedoch auch Nachholbedarf festgestellt: So seien die Teilbereiche der Jugendhilfe wechselseitig nur unzureichend über ihre jeweiligen Aktivitäten unterrichtet. Durch die Erhebungen im Rahmen des kommunalen Kinder- und Jugendförderplans sei deutlich geworden, dass sich in den Schulen die Kinder- und Jugendarbeit nicht im Blickpunkt der Wahrnehmung befinde. Wie aus dem Positionspapier hervorgeht, sind die Schulen über die Angebotsstruktur und Arbeitsweise der Jugendhilfe in Kamp-Lintfort nur unzureichend in Kenntnis gesetzt. Dadurch würden wichtige Kooperationen nicht genutzt. An Schulen werde immer deutlicher die Forderung gestellt, Schüler in ihrer Persönlichkeitsbildung und in ihrer sozialen Bildung intensiv zu begleiten. Hier seien dringend neue Lösungen gefordert. Eine deutliche Angebotslücke bestehe zwischen den Leistungen der Jugendhilfe und der Jugendarbeit. Besonders für die Gruppe der Jugendlichen, bei der viele Risikofaktoren zusammenkämen, sei ein niederschwelliges Angebot dringend notwendig, heißt es in dem Positionspapier.

Zielführend sei die Ausweitung der Jugendsozialarbeit, die sowohl in der Lage sei, niederschwellig zu arbeiten als auch vermittelnd tätig zu werden. Als wünschenswert sieht die Gruppe eine zusätzliche personelle Ausstattung der Jugendsozialarbeit an. Empfohlen wird ein Präventionsbudget, das ermöglichen soll, Maßnahmen einzurichten und Projekte fortzuführen.

Quelle: RP

 
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