Moers: Nahles sieht CDU uneiniger als SPD
VON CHRISTIAN SCHROEDER - zuletzt aktualisiert: 15.09.2008Moers (RPO). Zum Geburtstag nur das Beste. Das dachte sich auch Andrea Nahles, stellvertretende Bundesvorsitzende der SPD, die als „Gastgeschenk“ nur gute Nachrichten über die Sozialdemokraten zur 100-Jahr-Feier der Rheinkamper SPD mitgebracht hatte: Müntefering soll für die Bundestagswahl 2009 auf Platz eins der SPD-Landesliste kandidieren, Kurt Beck wird mit grandiosem Abstimmungsergebnis als Landeschef in Rheinland-Pfalz bestätigt – und Steinmeiers Nominierung als Kanzlerkandidat sei ohnehin die beste Nachricht seit Wochen für die Partei.
Andrea Nahles gehört dem linken Flügel der Bundes-SPD zu. Sie ist an den Meinungsverschiedenheiten der vergangenen Jahre innerhalb der Sozialdemokraten nicht unschuldig und hat zum damaligen Rücktritt Münteferings maßgeblich beigetragen. Aber die Partei-Vize forderte vorgestern im Kulturzentrum Rheinkamp vor rund 120 Zuhörern: „Nicht mehr in den Rückspiegel schauen – nach vorne blicken!“ Es müsse jetzt sofort Schluss damit sein, dass in TV-Talkshows (konkret in Maybrit Illners Talkrunde) fünf SPD-Politiker fünf verschiedene Meinungen zum Besten geben. „Wenn wir unsere eigenen Streitigkeiten beilegen, wird man merken, wie uneinheitlich nämlich die CDU ist“, sagt die 38-Jährige. Mit einem nach rechts abdriftenden Flügel, dem „auf Sozi machenden“ Flügel à la Rüttgers in NRW und der CSU würde es nämlich drei verschiedene CDUs geben.
Zusammen mit dem Bundestagsabgeordneten Siggi Ehrmann ehrte Andrea Nahles später Josef Cieniewicz, Herbert Szidzik sowie Klaus Hoppe für 40-jährige Mitgliedschaft in der Partei. Eveline Bandow, Benno Henschen, Günter Krieger und Karl-Heinz-Reimann sind 25 Jahre in der Partei. Als Neumitglieder wurden Anna und Jan Dieren, Fabian Schläger-Rosendahl, Markus Lewitzki und Hans-Udo Kaldenhoven begrüßt.
Nazis verfolgten Sozialdemokraten
Mit sozialdemokratischen Urgesteinen unterhielt sich anschließend Moderator Jörg Zimmer: Heinz Wilhelm Rosendahl, Gerd Leese und Artur Rothert haben miterlebt, wie Sozialdemokraten im Dritten Reich verfolgt wurden. Gerd Leeses Vater – vielen noch bekannt als Brotausfahrer – etwa wurde von den Nazis gefoltert. „Als er zurück kam zu uns, fehlten ihm alle Zähne. Sie waren ihm ausgeschlagen worden“, berichtete Gerd Leese. Was ihn ärgerte: dass sein Vater nach Ende des Krieges die Nazi-Umtriebe nicht genug angeprangert hatte. Dies sei ein Grund für Gerd Leese gewesen, 1946 in die SPD einzutreten und für mehr Gerechtigkeit zu sorgen.
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