Moers: Neue Formen machen flexibler
zuletzt aktualisiert: 09.10.2006Moers (RPO). Hans-Gerhard Rötters, Dezernent für Schule, Sport, Soziales und Kultur über die Verselbstständigung der Kultur in Moers, Synergieeffekte und das „Moerser Modell“ für die Schulen.
Für die Kultur in der Grafenstadt ist das Ziel vorgegeben: mehr Eigenständigkeit für die Institute und weniger Bürokratie. Politik und Verwaltung haben gemeinsam den Kulturentwicklungprozess in Gang gesetzt. Anstelle von Kulturamt und Kulturausschuss sollen drei Säulen treten: Kultur GmbH, Bildungsbetrieb und Kulturbüro. RP-Redaktionsleiter Dirk Möwius und RP-Redakteurin Anja Katzke unterhielten sich mit Dezernent Hans-Gerhard Rötters über den Trend zu neuen Betriebsformen für städtische Einrichtungen und Institute.
Herr Rötters, Borussia Dortmund wurde in eine Aktiengesellschaft umgewandelt und ist gescheitert.
Rötters im Internet
Wer mehr über den 1952 geborenen Hans-Gerd Rötters wissen möchte, sollte sein aufwändig gestaltete Internetseite besuchen. Dort gibt es viele Infos über seine Biografie, seinen Berufsweg, seine Ehrenämter – aber auch über den Privatmann und seine Hobbys. Bald sollen dort auch seien Geschichten über die kleine Stadt Oers zu lesen sein.
Rötters Dortmund ist nicht gescheitert, sondern nach Veränderung der Geschäftspolitik wieder auf Kurs. Mein Verein ist Leverkusen, eine GmbH. Noch am Sonntag habe ich ein schönes Spiel gegen Schalke gesehen. Leverkusen hat gewonnen.
Nun, wir wollten eigentlich auf das Thema Betriebsformen hinaus. Welche Vorteile sehen Sie darin?
Rötters Damit ist ein hoher Grad an Selbstständigkeit verbunden. Der Wunsch nach Flexibilität und größerer Unabhängigkeit von Querschnittsämtern wird erfüllt. Nehmen Sie zum Beispiel das in der letzten Ratssitzung angestoßene Thema Ausgliederung des Bäderbereichs. Die Frage ist doch, wie ein öffentlicher Badebetrieb auf Zukunft für eine Kommune organisierbar und finanzierbar bleiben kann.
GmbHs können Pleite gehen. Sorgen neue Organisationsformen für mehr Wirtschaftlichkeit?
Rötters In der Kultur sprechen wir bewusst auch von Bildungsbetrieb. Dieser könnte auch aus Ämtern bestehen. Obwohl dies nicht meine Intention ist. Hermann Heinemann, Leiter der Musikschule, präferiert zum Beispiel die Form des Eigenbetriebs. Die Ämter und Institute erhalten durch die Verselbstständigung ein hohes Maß an Eigenständigkeit, und das birgt wiederum Synergieeffekte. Ein Beispiel: Musikschule und VHS rechnen eigenständig ab. Ist es nicht besser, beide Abrechnungssysteme koordiniert zusammenzuführen? Oder nehmen wir das Schlosstheater. Der Intendant will einen Schauspielvertrag abschließen. Bislang leitet er den Vertrag ans Kulturamt weiter. Von dort aus gehen die Unterlagen zum Kulturdezernenten, der segnet es ab. Dann erst schließt der Intendant den Vertrag. Das sind vier Schritte, die wir uns sparen können. Wir wollen Verantwortung delegieren und nicht jeden Schritt kontrollieren. Brauchen wir wirklich einen Ratsbeschluss, um den Preis für den Verkauf von T-Shirts festzusetzen?
Wie sehen die nächsten Schritte aus?
Rötters Als erstes soll Kulturamt in ein Kulturbüro überführt werden. 2007 stehen zudem Umwandlung der Festival Moers Kultur GmbH in die Kultur GmbH sowie Verselbstständigung der Musikschule an.
Kultur ohne öffentliche Gelder wird es aber nicht geben?
Rötters Das wird es auch in Moers nicht geben. Die örtliche Kultur muss durch eine öffentliche Förderplattform sicher gestellt werden. Auch hier muss wieder das Schlosstheater als schönes Beispiel genannt werden: Dem Intendanten Ulrich Greb ist es gelungen, für die Demenz-Kampagne rund 500 000 Euro zu akquirieren. Ähnliches macht er für das nächste Projekt, bei dem es um Armut geht.
Wie passt das Grafschafter Museum in das drei Säulen-Modell. Hier ist doch auch eine Stiftung angedacht?
Rötters Wir sind mit der Leiterin Diana Finkele im Gespräch. Das Rheinische Museumsamt hat eine beratende Funktion übernommen. Es ist noch vieles in der Diskussion. Klar ist aber, dass Diana Finkele ihr Haus ab 2007 selbst managen muss.
Die VHS soll in den Bildungsbetrieb eingehen. Wie passt das mit dem Partner Kamp-Lintfort zusammen?
Rötters Das Gutachten wird am 26. Oktober im VHS-Beirat diskutiert. Ich habe dieser Tage noch mit Lintforts Erstem Beigeordneten Dr. Christoph Müllmann ein Gespräch geführt. Wir werden das mit Kamp-Lintfort sauber besprechen und – ich hoffe – zu gegebener Zeit unter Partnern einvernehmlich lösen.
Das Gutachten gibt einen straffen Zeitplan vor. Ist die Umsetzung in diesem Zeitraum machbar?
Rötters Wir sind uns alle darin einig, dass das Gutachten nur eine – wenn auch zentrale – Leitplanke im Organisationsentwicklungsprozess ist. Wichtig ist, dass wir nun wissen, wohin wir wollen, wichtig ist aber auch, dass man die Menschen mitnimmt.
Andere Frage: Können alle Schulen in das „Moerser Modell“ einfließen?
Rötters Es gibt einen Prüfauftrag des Rats an die Verwaltung. Aus Sicht des Schuldezernenten ist es sicher ein Vorteil, wenn auf Prosa I auch Prosa II folgt. Es würde Sicherheit bieten für eine strukturierte Sanierung aller Schulen.
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