Neukirchen-Vluyn: Neujahrsempfang thematisiert die Familie
VON STEPHAN MÜNDGES - zuletzt aktualisiert: 07.01.2008Neukirchen-Vluyn (RPO). Rund 190 Gäste kamen gestern zum CDU-Neujahrsempfang in die Kulturhalle. Im Mittelpunkt stand dabei ein Vortrag von Hans-Wilhelm Fricke-Hein, Direktor des Erziehungsvereins, über Familie und Jugendhilfe. Nach den aufgeregten Diskussionen der vergangenen Wochen über Kindesvernachlässigungen, jugendliche U-Bahn-Schläger und die Einführung von Erziehungscamps erläuterte der Pfarrer, wie man Jugendlichen und ihren Familien am besten helfen kann.
Antwort liegt in der Mitte
Kuschelpädagogik oder Erziehungscamp? Die momentane Diskussion über die Behandlung von jugendlichen Gewalttätern verlaufe unheimlich „holzschnittartig“, meinte Fricke-Hein. Die Antwort liege in der Mitte. Denn: Eine Pädagogik, die Fehlverhalten mit Blick auf die soziale Herkunft der jungen Straftäter toleriert, sei falsch. „Sogenannte Boot-Camps sind aber auch unbrauchbar. Jugendliche dürfen nicht entwürdigt werden“, ist sich Fricke-Hein sicher. Und durch Arrest ändere man nur bei sehr wenigen Straffälligen das Verhalten. Was also tun mit „Jugendlichen, die nur das Gesetz der Stärke kennen“? Die geschlossene oder teilweise geschlossene Unterbringung sei der richtige Weg. „Dabei darf man aber nicht nur Grenzen setzen, sondern muss auch die Stärken der Jugendlichen aufdecken und nutzen“, erklärte der Pfarrer. „Menschen statt Mauern“ laute das Konzept.
Dasselbe Prinzip müsse aber auch in den Familien gelten. „Bedingungslos zu seinem Kind zu halten bedeutet nicht, auch bedingungslos jedes Verhalten zu tolerieren.“ Die vielen Kindesvernachlässigungen der letzten Zeit aber würden verdeutlichen, dass viele Eltern mit der Erziehung ihrer Kinder überfordert sind. Daher brauche man eine Frühförderung der Eltern. „Aber im Sinne des Kindes brauchen wir auch eine gesellschaftliche Überwachung der Eltern.“ Kontrollbesuche des Jugendamtes seien dabei eine Möglichkeit, so Fricke-Hein. Auch lokale Themen kamen zur Sprache. Sowohl Bürgermeister Bernd Böing als der CDU-Fraktionsvorsitzende im Rat, Klaus Franzen, kritisierten die Situation des Niederberggeländes. „Mir persönlich geht das zu langsam“, monierte Böing. Franzen forderte die Montan-Gründstücksgesellschaft (MGG) auf, endlich eine funktionierende Infrastruktur auf dem Gelände zu errichten.
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