Moers: Niag fährt in schwarze Zahlen
VON FRITZ SCHUBERT - zuletzt aktualisiert: 27.12.2007Moers (RPO). Das Nahverkehrsunternehmen Niag ist „sensationell gut“ unterwegs. Aufsichtsratsvorsitzender Heinz-Dieter Bartels zog beeindruckendes Fazit der Teilprivatisierung. Erstmals winkt ein Überschuss. Das entlastet die öffentliche Hand.
Das Verkehrsunternehmen Niag ist bestens in Fahrt. „Die Entwicklung ist sensationell gut“, sagte Aufsichtsratsvorsitzender Heinz-Dieter Bartels im RP-Gespräch und kündigte an, dass zum Jahresende schwarze Zahlen geschrieben werden. Nicht nur die Art und Weise, auch das Tempo der wirtschaftlichen Fortschritte nannte er „atemberaubend“. Der CDU-Politiker aus Rheinberg vertritt seit acht Jahren den Kreis Wesel in der Niag, die tief greifende Veränderungen hinter sich hat.
Arbeitsplätze sicherer
Bekanntlich hat seit der Teilprivatisierung Rhenus Veniro mit 51 Prozent das Sagen. Der Kreis hält noch 43 Prozent. Reste sind in kommunaler Hand (Wesel, Moers, Duisburg). Noch 2005 hatte der Kreis Wesel 6,8 Millionen Euro ÖPNV-Umlage an die Niag durchgereicht.
Die Niag
Mitarbeiter 2006 (inkl. der Betriebe UTG, VSN und Look): 606
Aufsichtsrat: Heinz-Dieter Bartels (Kreis Wesel), Dr. Sven Rutkowsky (Rhenus), Helmut Schürmann (Arbeitnehmer)
Vorstand: Henrik Behrens, Gregor Gasthaus (beide Rhenus), Otfried Kinzel (Niag)
Ab 2006 griff der damals hochumstrittene Rhenus-Deal mit dem so genannten negativen Kaufpreis. 28 Millionen Euro (in vier Jahresraten) legte der Kreis in die Rücklage. Dafür zahlen der Kreis und seine Kommunen ab 2010 nichts mehr. Wie Bartels jetzt berichtete, werden die in den privaten Partner Rhenus gesetzten Hoffnungen viel früher erfüllt als erwartet. Nach drei Quartalsbilanzen und den jüngsten Berichten sei „für 2007 mit einem guten Überschuss zu rechnen“. Die Kombination zwischen alter Niag-Erfahrung und neuen Rhenus-Ideen mache den Erfolg aus. Aufsichtsratsvorsitzender Bartels verschweigt dabei nicht, dass die Mitarbeiter gehörig zur Effektivitätssteigerung beitragen mussten. Dafür seien die Arbeitsplätze jetzt aber auch erheblich sicherer. Die Niag zukunftsfähig zu machen, sei schließlich auch das Ziel des Teilverkaufs gewesen.
Folglich lässt Bartels auch offen, wie künftig mit Erlösen der einst chronisch defizitären Niag umgegangen werden könnte. Ab 2013, so steht es im Vertrag, könne erst mit etwaigen Mittelverteilungen begonnen werden. Das könne bedeuten, erwirtschaftete Gewinne in das Unternehmen selbst zu stecken.
Risiken gibt es auch. Bartels nannte die Kooperation mit dem VRR, weil dessen Tarif „weniger ergiebig“ sei. Fragezeichen stünden zudem hinter Ausgleichszahlungen für den Schülerverkehr, der Entwicklung der Diesel-Kosten sowie hinter Umschlag und Weitertransport von Importkohle nach Baden-Württemberg. Letzterer sei rückläufig, weil lieber Atomstrom aus dem Ausland eingespeist werde. Dennoch gebe es auch für die Logistik-Sparte der Niag mit dem starken Partner Rhenus interessante Aussichten, sagt Bartels.
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