Kamp-Lintfort: Noten ohne Noten
VON HERIBERT BRINKMANN - zuletzt aktualisiert: 20.09.2007Kamp-Lintfort (RPO). An der Ernst-Reuter-Schule starten Stadt, Musikschule und Grundschule das JeKi-Projekt: Kinder sollen in der Schule ein Instrument ihrer Wahl erlernen – spielerisch, ohne Stress und Noten.
Hinter dem Schreibtisch von Schulleiterin Christine Buyken hängt ein Poster mit dem Porträt von Astrid Lindgren. Die legendäre Schriftstellerin für Kinder, Erfinderin von Ronja Räubertochter, Pippi Langstrumpf und den Kindern aus der Krachmacherstraße, ist ein guter Vorbild dafür, Kinder ernst zu nehmen.
Krach darf gemacht werden: Die Ernst-Reuter-Schule hat als erste Grundschule in Kamp-Lintfort eine Zusammenarbeit mit der Musikschule eingeführt. Jetzt beteiligt sie sich am Ruhrgebiets-Projekt „Jeki“. Bis 2010 soll an möglichst allen Grundschule „Jedem Kind ein Instrument“ zur Verfügung gestellt werden. Christine Buyken, außer Schulleiterin auch Musiklehrerin, ist besonders die musische Erziehung der Kinder wichtig. Mit einer Theater-AG, einer Chor-Ag werde besonders die kulturelle Bildung groß geschrieben.
Kinder und Instrumente
Über 7200 Erstklässler an 200 Grundschulen starten in diesem Jahr im Ruhrgebiet mit dem Projekt „Jedem Kind ein Instrument“. Die Ergänzung zum Musikunterricht ist ein Anschub für die kulturelle Bildung. Das Programm verbindet die Kompetenzen der örtlichen Musikschulen mit den Ressourcen der Grundschulen.
Positive Einflüsse
Gestern stellte die Schule den neuen JeKi-Kursus vor. Musiklehrerin Sabine Nitsch hat die Kinder im Kreis um sich geschart. Rhythmisch schlagen die Kinder auf die Orff‘schen Instrumente wie Klangstäbe, Triangel und Tamburin ein. 38 Kinder von 68 Erstklässlern nehmen in diesem Schuljahr teil. Martin Begall, Leiter der Musikschule in Kamp-Lintfort, freut sich. Nach dem Pisa-Schock hat Musik für die Bildungspolitik einen neuen Stellenwert erhalten. Die Hirnforschung und die Entwicklungspsychologie haben mittlerweile ausführlich belegt, wie positiv die Musik die Entwicklung von Kindern beeinflusst und dabei besonders Fähigkeiten wie Konzentration und Ausdauer fördert, aber auch Selbstkompetenz und das soziale Miteinander stärkt. Für die Musikschule, die in ihrem eigenen Programm auch musikalische Frühförderung anbietet, ist das Schulprojekt eine Chance, Musikunterricht auch Kindern anzubieten, die sonst nicht in eine Musikschule kämen.
Im ersten Jahr lernen die Kinder Rhythmusgefühl und musikalische Grundkenntnisse. Im nächsten Schuljahr können sie sich für ein Instrument entscheiden. Vor Jeki hat die Ernst-Reuter-Schule bereits mit der Musikschule ein Projekt gestartet. Dabei erhalten in diesem Schuljahr 39 Kinder Gitarrenunterricht. Die aktuelle Aktion „Jedem Kind ein Instrument“ ist ein großangelegtes Projekt des Landes, der Kulturstiftung des Bundes und der Zukunftsstiftung Bildung. Jedes Kind soll ein Instrument seiner Wahl erlernen und nach vier Jahren in der Lage sein, in einem Ensemble mitzuspielen. Für die Eltern entstehen monatliche Kosten zwischen zehn und 30 Euro: eine gute Investition.
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