Moers: O Tannenbaum
VON HERIBERT BRINKMANN - zuletzt aktualisiert: 20.08.2008Moers (RPO). In dieser Woche soll die überarbeitete Baumschutzsatzung beraten und beschlossen werden. Die neue Regelung nimmt den Schutz aller Nadelbäume zurück. Für den Gartenbesitzer soll es künftig einfacher sein.
Bisher sind in Moers alle Bäume mit einem Stammumfang von 80 Zentimetern und mehr, gemessen in einer Höhe von einem Meter über dem Erdboden, geschützt. Sie dürfen in Parks, Grünstreifen oder privaten Gärten nicht einfach gefällt werden. Ausgenommen waren immer schon Baumweide, Birke, Erle, Hybridpappel, Fichte, Lebensbaum, Tanne, Scheinzypresse und Zeder. Auch Obstbäume dürfen gefällt werden, Ausnahmen sind Walnussbäume und Esskastanien. Die neue Baumschutzsatzung sieht die Änderung vor, dass sämtliche Nadelbäume nicht mehr unter die Satzung fallen. Bei der Bäumen mit geringerem Stammumfang waren bisher Buchsbaum, Eibe, Magnolie, Stechpalme, Weiß- und Rotdorn ab 40 Zentimeter Umfang geschützt. Die neue Satzung nimmt die Eibe ausdrücklich heraus.
Die Eibe
Die Eibe gilt als Relikt aus dem Tertiärzeitalter und ist damit der älteste Nadelbaum in Europa. Da die Eibe keine Zapfen, sondern eine einsamige beerenartige Frucht mit scharlachrotem Fruchtfleisch hat, teilen manche Fachleute der Eibe neben Gingko und nacktsamigen nadelbäumen eine eigene Klasse zu. Eiben können als Bäume etwa 20 Meter hoch oder als Sträucher wachsen.
Schüttere Benadelung
Beim Beschluss im Mai, der zu der Änderung geführt hat, ging es Verwaltung wie Politik um eine Vereinfachung: Die Bürger hätten oft Schwierigkeiten, die geschützten Nadelholzarten von den ungeschützten zu unterscheiden. Im Vorfeld müsste oft Rat von Fachleuten eingeholt und bezahlt werden. In der Beschlussvorlage vom Mai steht außerdem: „Auch die derzeit noch unter Schutz stehenden Nadelbäume erfüllen in der Regel nach empirischen Erkenntnissen ab einem bestimmten Alter. Die Ausnahme- und Befreiungstatbestände“, sprich sie werden krank und sehen unansehnlich aus. „Nadelbäume weisen im zunehmenden Alter eine krankheitsbedingte, schüttere Benadelung auf.“
Anne-Marie Franz erwartet heute für den Nachhaltigkeitsbeirat keine große Diskussion, und auch Mark Rosendahl, Vorsitzender des Ausschusses für Stadtentwicklung, Planung und Umwelt, sieht für morgen Einstimmigkeit. Lediglich von Naturschützern war der besondere Schutz der Eibe reklamiert worden. Die Eibe war in Europa weit verbreitet, heute ist sie seltener geworden, da sie früher ihres Holzes wegen geschätzt war und heute eher wegen ihrer giftigen Beeren in Verruf geraten ist. Nadeln und Samen der Eibe enthalten das herzwirksame Alkaloid Taxin. Die Wirkung auf das Herz ist stärker als die des Fingerhutes und kann zum Herzstillstand führen. Die toxische Wirkung gilt nicht nur für Menschen, sondern auch für Tiere.
Die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald plädiert dafür, die Eibe als ältesten heimischen Nadelbaum zu erhalten. Immergrüne Nadelbäume gelten überall als Symbole für ewiges Leben, weshalb sie gerne auf Friedhöfen angepflanzt wurden. Doch die langsam wachsende Eibe hat in unserer schnelllebigen Zeit einen schweren Stand.
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