Kamp-Lintfort: Obdachloser filmte seine Mörder
VON CHRISTIAN SCHWERDTFEGER UND CHRISTIAN SCHROEDER - zuletzt aktualisiert: 27.05.2010 - 20:48Kamp-Lintfort (RPO). Das Hotline-Telefon der Polizei in Duisburg stand am Donnerstag nicht still. Zwischenzeitlich war die Rufnummer, unter der die Stimme des mutmaßlichen Mörders des am Sonntag in Kamp-Lintfort getöteten Obdachlosen Klaus B. (51) zu hören war, wegen Überlastung nicht zu erreichen. Mehr als 1000 Anrufe gingen ab 12 Uhr ein.
Die Stimmen hatten die Ermittler auf dem Handy des 51-Jährigen, das sie völlig demoliert in Tatortnähe gefunden hatten, wiederherstellen können. Und nicht nur das. Die Fahnder der 20-köpfigen Mordkommission rekonstruierten auch ein Video, das das Opfer vermutlich kurz vor seinem Tod von seinen Peinigern gemacht hat. Zu hören sind männliche Stimmen, die sich darüber unterhalten, ob auf dem Handy-Display etwas zu sehen ist.
Das Bildmaterial konnte noch nicht ausgewertet werden, weil es stark beschädigt ist. „Wir arbeiten mit Hochdruck daran, die kaputte Datei wieder zu reparieren“, sagt Ramon van der Maat, Pressesprecher der ermittelnden Polizeibehörde in Duisburg. Das Video soll gegen 1.10 Uhr am Pfingstsonntag gemacht worden sein. Anwohner fanden den Obdachlosen etwa eine Stunde später tot in einer riesigen Blutlache auf dem Parkplatz des Spaßbades Pappelsee.
Der Mordfall ist offenbar in Deutschland beispiellos. „Ein Opfer, das vor seinem Tod seine Mörder filmt, ist uns bundesweit nicht bekannt“, sagt Polizeisprecher Roman van der Maat.
Ob es den Spezialisten des Landeskriminalamts (LKA) gelingen wird, das Video soweit wieder herzustellen, damit etwas Brauchbares zu erkennen ist, ist unsicher. Es wurde im Dunkeln und vermutlich ohne Lichtquelle gedreht. „Unmöglich ist es nicht. Generell kann jedes defekte Video wieder hergestellt werden, so lange es nicht überschrieben wurde“, sagt Maik Masuch, Professor für Medieninformatik an der Uni Duisburg-Essen. Das LKA hat für solche Fälle spezielle Techniken und modernste Labors zur Verfügung. Wie die Rekonstruktion genau funktioniert, hält das LKA geheim. „Der nächste Täter könnte womöglich wissen, wo sich versteckte Dateien im Handy verbergen und diese löschen“, so LKA-Sprecher Frank Scheulen.
Der Leichnam des 51-Jährigen wurde inzwischen seinen Angehörigen übergeben. Ein Termin für die Beerdigung ist nicht bekannt. „Das ist Sache der Familie. Die Polizei hat damit nichts zu tun“, sagt Roman van der Maat. Viele Bürger hatten den Wunsch geäußert, an der Beerdigung teilzunehmen.
Bereits am 28. Dezember des vergangenen Jahres hatte die Polizei Informationen erhalten, dass der obdachlose Klaus B. schon einmal auf dem Parkplatz mit unbekannten Jugendlichen in Streit geraten sei. Ein Heranwachsender soll damals gedroht haben, dem 51-Jährigem Gewalt anzutun. Klaus B. habe aber keinen Strafantrag bei der Polizei gestellt.
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