Moers: Obduktion: Familie ist erstickt
VON CHRISTIAN SCHROEDER - zuletzt aktualisiert: 27.02.2009Moers (RPO). Die Todesursache steht fest, die Brandursache noch nicht. Zwei der Kinder gingen in die Awo-Kindertagesstätte nebenan. Der Überlebende will nur den Pastor und seinen Vater sehen. Beerdigung ist Anfang der Woche geplant.
Tristan und Laura-Loreen kommen nicht wieder. Das verstehen die anderen Mädchen und Jungen der Awo-Kindertagesstätte Jungbornstraße nicht. Der fünfjährige Tristan und die dreijährige Laura-Loreen, die mit ihrer Mutter und der einjährigen Schwester beim entsetzlichen Brand vorgestern in Repelen getötet wurden, gingen seit einiger Zeit in die Einrichtung, die unmittelbar an das Brandgrundstück grenzt.
"Und das dritte Kind war bereits angemeldet", sagt Birgit Abraham vom Referat Kinder- und Jugendpolitik der Awo. Für alle Kinder, Mitarbeiter und Eltern ist es fürchterlich, die Brandruine direkt vor Augen zu haben. Vom Eingang der Awo-Tagesstätte blickt man direkt auf das zerstörte Hinterhaus. Dies ist bei weitem schlimmer anzusehen als die Vorderfront des Hauses.
Andacht für Kinder
Heute findet eine interne und kindgerechte Andacht für die Kinder des Awo-Kindergartens statt. Diese Andacht wird von Muslimen und Christen gestaltet.
Die Awo hat ein Spendenkonto eingerichtet: Sparkasse am Niederrhein, BLZ 35450000, Konto-Nr. 1101082020, Stichwort "Nothilfe Andreas Hoffmann".
Viele Blumen vor der Ruine
Der 34-jährige Familienvater hat das Feuer durch einen Sprung aus dem Fenster überlebt, körperlich nahezu unverletzt. Aber das Trauma ist riesengroß. Er wurde ins Zentrum für Psychotraumatologie in Krefeld verlegt. "Mein Bruder hat derzeit nur zwei Kontaktpersonen, die ihn im Krankenhaus besuchen dürfen, meinen Vater und den Pastor", berichtet Markus H., der erst vor zwei Wochen die Großmutter verloren hat.
Nun sind seine Schwägerin, die kleinen Nichten und der Neffe tot. Zudem hat die Familie das Geschäft verloren. Mittlerweile ist vor der Ruine ein ganzes Blumenmeer abgelegt worden. Viele Menschen, die an der abgesperrten und von der Polizei beschlagnahmten Unglücksstelle vorbeikommen, haben Tränen in den Augen.
Die Kinder in der Awo-Einrichtung werden psychologisch betreut. "Eines der getöteten Kinder war ganz dick mit einem anderen Kind befreundet, das muss erst einmal aufgearbeitet werden", so Birgit Abraham. Auch Eltern können in der Kindertagesstätte psychologische Beratung in Anspruch nehmen. Sie können dort etwa erfahren, wie sie ihren eigenen Kindern das Thema Tod nahe bringen und das schreckliche Drama nebenan erklären.
Für die Feuerwehrleute, besonders für die aus Repelen, war der Einsatz besonders bedrückend. Denn etliche Kameraden kannten die betroffene Familie persönlich, so Löschzugführer Guido Krothofer.
Mittlerweile steht die Todesursache der Mutter und der drei Kinder definitiv fest: Wie bereits am Mittwoch vermutet, sind sie erstickt, so der Obduktionsbefund. Gestern waren die Brandexperten der Polizei immer noch damit beschäftigt, nach der Ursache des Feuers zu suchen. "Das wird akribisch gemacht", sagt Polizei-Pressesprecher Awater.
Es wird aber immer wahrscheinlicher, dass Brandmelder die Familie hätten retten können. "Wir können nur immer wieder für diese Lebensretter werben", sagt Brandoberamtsrat Thomas Naß. In der Dorfkirche fand noch am Mittwoch eine spontane ökumenische Trauerandacht statt.
Es gibt keinen gesonderten Trauergottesdienst mehr, da die Beerdigungen schon Anfang nächster Woche stattfinden. Die Gemeinden werden in den Sonntagsgottesdiensten für die Betroffenen beten.
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