Moers: Ordnung muss sein
VON SABINE HANNEMANN - zuletzt aktualisiert: 11.08.2008Moers (RPO). Für ein Appetithäppchen vor seinem Auftritt am Sonntag sorgte Ursus Wehrli im Moerser Peschkenhaus. Momentan läuft dort seine Ausstellung „Kunst aufräumen“.
Beim Comedy Arts Festival ticken die Uhren anders. Dafür lieferte Ursus Wehrli genügend Gesprächsstoff auf einem der Nebenschauplätze im Peschkenhaus mit einer Live-Performance, bei er einige seiner Arbeiten versteigerte. Er ist in der Schweizer Theater- und Comedy-Szene einer, der zusammen mit Nadeschkin ganz vorne mitmischt, wie am Sonntag Abend zu erleben war. Im Peschkenhaus stellt er momentan Werke großer Maler aus, die er nach einen ihm eigenen Prinzip aus der komischen Perspektive heraus aufgeräumt hat.
Staubsaugerfertig
Unter anderen Verhältnissen könnte man von einer Zwangserkrankung sprechen, doch Comedians wie Wehrli leben in anderen Dimensionen. Dem krankhaften Zwang, Dinge nach einem bestimmten System zu sortieren zu müssen, unterliegt der gelernte Typograph Ursus Wehrli nicht. Auch wenn Ordnung in der Schweiz mehr als das halbe Leben bedeutet. Er macht einfach reinen Tisch, sortiert platzsparend und übersichtlich die Bildelemente bei Henri Matisse, Paul Klee oder Kasimir Malewitsch. Er räumt auf, beispielsweise van Goghs Schlafzimmer in Arles, gemalt 1888. Wehrli macht das Zimmer „staubsaugerfertig“, wie er über seine Aufräummethode meinte.
Ausstellung
Bei Paul Klee „lässt sich alles neu kombinieren“, meinte Ursus Wehrli und zeigte neue Querverbindungen auf. Schließlich sei Klee der Erfinder von Kleenex und des Gesichtswassers Kleerasil. Noch bis zum 31. August sind die von Ursus Wehrli aufgeräumten Werke im Peschkenhaus zu sehen. Das Buch „Kunst aufräumen“, erschienen im Verlag Kein& Aber, kostet 19 Euro.
Stühle und Nachttisch werden auf das Bett geräumt, ebenso wie die Bilder, die zuvor ein wenig schräg hängend die Wände zierten. Selbst Beethovens „Für Elise“, ist vor der Ordnungsattacke nicht sicher. Wehrli entmythisiert einen Magritte, einen Miro. Was von Breughels belebtem Marktplatz bleibt, ist eine leere Fläche, wie die zahlreichen Besucher im Peschkenhaus amüsiert feststellen konnten. Ähnlich ergeht es den Arbeiten von Paul Klee. „Das Bild habe ich entstrukturiert und statistisch geordnet“, meinte Ursus Wehrli. 17 orangefarbene und nur zwei grüne Quadrate, das ist seine Bilanz. Von der Kunstepoche des Pointismus um 1900 bleibt eine große Tüte mit Punkten über.
Ordnung muss eben sein. Damit schafft Wehrli eine neue und skurrile Sichtweise auf Kunst und Kunstgeschichte, die er comedianhaft vermittelte. Einen Kandinsky aufzuräumen, ist schon etwas für Fortgeschrittene. „Nach Feng Shui-Prinzip“, meinte Wehrli und verriet dabei seine Arbeitstechniken. Nicht computersortiert, sondern manuell mit der bewährten Schere arbeitet sich Wehrli durch die berühmten Werke großer Künstler. Die Art des Umgangs hat er sich als sein „geistiges Eigentum“ patentieren lassen. Strukturierung und Visualisierung eines artifiziellen Bereiches, heißt es da in der Patentschrift. Dass vieles einem übersichtlichen Ersatzteillager gleicht, stört den schrägen Künstler wenig.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum




