Neukirchen-Vluyn: Pispers sezierte Politik
zuletzt aktualisiert: 09.02.2007Neukirchen-Vluyn (RPO). Über 20 Jahre ist er jetzt im Kabarettgeschäft, und genau so lange entzaubert er auch schon unsere gefühlte Wirklichkeit. Der Düsseldorfer Kabarettist Volker Pispers weiß, wie man die verklärten Wahrnehmungsfilter von Otto Normalverbraucher wieder auf Vordermann bringt, und füllt damit inzwischen die größten Veranstaltungssäle. „...bis neulich – seit 20 Jahren aktuell“ heißt sein derzeitiges Programm, in dem er eine Auswahl seiner besten kabarettistischen Gemeinheiten aus 20 Jahren Bühnenpräsenz zu einer nostalgischen, aber noch immer erstaunlich aktuellen Mischung zusammengebraut hat. Am Mittwoch war Volker Pispers in der Neukirchen-Vluyner Kulturhalle zu Gast, und machte dort fast drei Stunden lang der gefühlten Wirklichkeit von rund 500 Zuschauern den Garaus.
„Harmloser“ Plauderton
Während die Mehrheit der deutschen Nachrichtenkonsumenten das politische Geschehen in der Welt und im eigenen Land eher resigniert und manchmal auch mit einer gehörigen Portion Zweckoptimismus hinnimmt, hakt Volker Pispers nach, und seine dabei gewonnenen Erkenntnisse sind oft wenig schmeichelhaft für die wichtigen Damen und Herren an den politischen Spitzen der Welt. Dazu kommt eine gehörige Portion Respektlosigkeit, Sprachwitz und ein vermeintlich harmloser Plauderton, der ganz unversehens ins Bitterböse umschlagen kann. „Wissen Sie, was in 15 Jahren passiert?“, lautete beispielsweise eine seiner Plaudertonfragen. „15 Jahre, das ist länger als das tausendjährige Reich. Da war Kohl noch länger dran, und das nicht nur gefühlt.“ Das Publikum atmete kollektiv ein. „Ja“, fuhr er fort. „Wissen Sie, ob in 15 Jahren nicht ein schöner Landrat kommt, und Frau Merkel wegschickt? Vielleicht wird sie aber auch vom FBI verschleppt und wir merken es erst nach drei Jahren.“
Angela Merkel war an diesem Abend ebenso eines seiner Lieblingsthemen wie die übrigen Macher in der großen Koalition. Ob Familienministerin von der Leyen, Ullala Schmidt“ oder Herr Müntefering – sie alle bekamen ihr Fett weg. Und auch die Großen der Weltpolitik wurden gnadenlos mit messerscharfer Zunge seziert, wobei dem aufmerksamen Zuhörer angesichts so manch einer offenkundig geld- und machtgierigen Machenschaft von Bush, Putin und Co. mitunter das Lachen im Hals stecken blieb. „Was hat sich der liebe Gott bloß dabei gedacht, das schöne Öl ausgerechnet bei den Moslems zu verbuddeln? Wir haben nur die dreckige Kohle, und die kommt noch nicht einmal von selber hoch.“
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