Moers: Prinz, Pferd und Falschfahrer
VON TOBIAS SCHWERDTFEGER - zuletzt aktualisiert: 16.02.2010Moers (RPO). Beim Rosenmontagszug in Holderberg war richtig was los. Das Moerser Prinzenpaar war zu Besuch zu Hause. Trotz der Kälte war ein prächtiger Hofstaat versammelt. Die von Rasenmähern gezogenen Narrenschiffe kurvten durch die verschneite Nachbarschaft. Die Stimmung war prächtig.
Da staunten die Jecken am Straßenrand aber nicht schlecht. Eigentlich warteten alle auf das Moers-Holderberger Prinzenpaar, Simone I. und Jörn I., als sich plötzlich aus der entgegengesetzten Zugrichtung ein besonderer Karnevalswagen erblickten – dunkelgrau und irgendwie wenig geschmückt. Wird denn hier der Prinz im Ford Escort heranchauffiert? Ein Moerser fuhr dem nicht ganz pünktlich um 11.11 Uhr gestarteten Zug auf der engen Straße entgegen. Doch die freundlichen Beamten der Polizei lösten die Situation souverän und lotsten ihn an den rechten Straßenrand. Von seinem Sonderplatz aus konnte der jecke Geisterfahrer unter Beifall der gut gelaunten Narren den gesamten Zug hautnah erleben: Mittendrin, statt nur dabei. Das gilt auch im besonderen Maße für die vielen Holderberger, die den wohl kleinsten Moerser Straßenkarneval zu einer Besonderheit machten.
Langsam voran auf glatter Straße
Ein wenig vorsichtig bahnten sich die ersten Wagen den Weg durch die Feiermeile: Denn Väterchen Frost hatte in dieser Session die größte Narrenkappe auf und ließ vorab schon reichlich flockige Kamelle von oben schneien. Stecken blieb aber keines der rund 15 Gefährte. Bei einigen sorgte Muskelkraft für den Antrieb, die anderen wurden traditionell von Rasenmähern gezogen. Und für besondere Notfälle hatte man einen eigenen Bergedienst auf vier Beinen dabei: ein Pony trottete friedlich unter viel Helau den Piraten und anderen Märchengestalten hinterher. Pippi Langstrumpf war wohl kurzerhand vorher abgestiegen und mischte sich lieber unter das bunt kostümierte Fußvolk.
Kleinere Lücken in der Zugfolge gab es immer mal wieder, wenn einer der Gespannfahrer seinen Nachbarn am Straßenrand traf und auf einen Drink an der Bar vor der Tür kurz anhielt. Das tat der Stimmung aber keinen Abbruch, ganz im Gegenteil. In Holderberg ist man sich grün, so scheint es, auch wenn das Kostüm knallrot oder quietschegelb ist.
Bei allem Spaß mischten sich aber auch ernstere Zwischentöne in den Zug. "Mer lasse de Platz in Schwafheim" prangte in großen Lettern auf dem Narrenschiff im Handkarrenformat des SV Schwafheim – ein Seitenhieb auf die Moerser Debatte der Verlegung von Spielstätten. Aber die Stimmung vermiesen konnte das heute niemandem. Auch die "Zugezogenen", fanden mit ihrem Wagen, begleitet vom Marine-Tambours-Corps, einen Platz unter Holderberger Urgesteinen. Awo, Feuerwehr und ein Wikinger-Dreigestirn durften natürlich auch nicht fehlen: Große Bühne im kleinen Holderberg.
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