Moers: Putzen für den guten Zweck
VON ANDREAS CÜPPERS - zuletzt aktualisiert: 11.05.2007Moers (RPO). Beim „Tag der Staub-Engel“ sammeln Schüler mit Putzarbeiten Geld für Hilfsprojekte. In diesem Jahr beteiligte sich die gesamte Klasse 6a der Hermann-Runge-Gesamtschule. Mit Eimern, Lappen und Schwämmen bewaffnet sind die Schüler bei Nachbarn oder Bekannten im Einsatz.
Das Einsatzgebiet ist ideal. Die Grabenstraße in Kapellen ist derzeit eine Baustelle. Die Straßendecke wurde abgetragen. Als es in den vergangenen Wochen so trocken war, staubte es hier ganz schön. Da kommen die „Staub-Engel“ wie gerufen. Jil, Matthias, Constantin, Julia und Christina sind an diesem Nachmittag auf der Grabenstraße unterwegs. Bewaffnet mit Handschuhen, Putzlappen, Schwämmen und Eimern ziehen sie von Tür zu Tür und bieten ihre sauberen Dienste an. Sie sind auf alles vorbereitet: Einfahrt fegen, Fenster putzen oder Staub wischen.
Im Unterricht behandelt
Dass die Sechstklässler in diesem Fall nach den Hausaufgaben nicht gerade ihrer Lieblingsbeschäftigung nachgehen, hat ihnen Lehrer Marc Wardenbach eingebrockt. Im Fach Gesellschaftslehre behandelte er mit der 6a der Hermann-Runge-Gesamtschule das Thema Kinderarbeit. „Im Internet bin ich auf die Aktion Staub-Engel gestoßen“, erzählt Wardenbach. „Das habe ich den Schülern am Ende des Themas vorgestellt.“ Der Putzdienst ist schließlich für einen guten Zweck. Für die Putzaktionen gibt es von den Hausbesitzern Geld. Die gesamten Einnahmen der bundesweiten Aktion gehen dann an ein Hilfsprojekt.
Engel im siebten Jahr
Aktion Den bundesweiten „Tag der Staub-Engel“ gibt es seit 2001. Organisatoren sind der Deutscher Kinderschutzbund und „Spontex“.
Hilfsprojekt In diesem Jahr wird der Pädagogische Mittagstisch des Kinderschutzbundes unterstützt.
Erlös Im vergangenen Jahr sammelten mehr als 17 000 Schüler rund 200 000 Euro.
Preise Die tatkräftigsten Schulen können Preisgelder in Höhe von insgesamt 10 000 gewinnen.
Die Schüler von Marc Wardenbach waren nicht schwer zu überreden. „Ich putze gerne Fenster“, sagt Jil. „Ich räume gerne auf oder putze den Boden“, erzählt Christina. Da ist der freiwillige Dienst kein Problem für die Zwölf- und 13-Jährigen. „Zu völlig fremden Leuten wollten wir die Schüler nicht unbedingt schicken“, erklärt Lehrer Wardenbach. Die 27 Schüler seiner Klasse sind stattdessen alleine oder in Teams in erster Linie vor der eigenen Haustüre unterwegs.
Auch an der Grabenstraße ist die putzende Schülergruppe nicht unbekannt. Überall werden die „Staub-Engel“ freundlich empfangen. Die Aufgaben des Quintetts sind klar verteilt: Einer erklärt an der Haustüre den Grund des ungewöhnlichen Besuchs, einer macht die Buchhaltung. „Wer was putzt, entscheiden wir dann spontan“, erklärt Julia.
Der erste Einsatz: Eine Haustüre muss vom Staub der Baustelle befreit werden. Obwohl die Schüler Putzutensilien dabei haben, holt die Dame des Hauses spezielle Pflegemittel und gibt noch ein paar Tipps. Ansonsten habe sie am, im oder um’s Haus nichts zu putzen. Zu fünft geht die Arbeit schnell. Nur wenige Minuten dauert es, bis die Türe frisch poliert ist. Der nächste Einsatz wartet direkt gegenüber. Auch hier fällt die Suche nach einem Einsatzgebiet zunächst schwer. Dann macht Kerstin Pontow die Fensterbänke als Schmutzfänger aus. „Ich finde die Aktion gut“, sagt sie, während die fünf „Staub-Engel“ fleißig ans Werk gehen. Die haben ein großes Ziel. Am Vortag haben es die Mitschüler auf 82 Euro und einen 50-Mark(!)-Schein gebracht. „Das“, sagt Jil, „wollen wir toppen.“
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