Neukirchen-Vlyun: Quartier für Mensch und Tier
VON ULRICH JOPPICH - zuletzt aktualisiert: 08.12.2010 - 18:15Neukirchen-Vlyun (RPO). Artisten und Dompteure des kleinen Familienzirkus „Zaballo“ zogen Mittwoch mit 11 Wagen und 20 Tieren vom Parkplatz der ehemaligen Zeche Niederberg zum Gelände hinter der Alten Mühle in der Dong, wo Hausherr Joachim H. Bürger ihnen für den Winter „Asyl“ gewährte.
Der kleine Jason klammert sich an den Arm seiner Oma Carmen Kaselowsky und schreit. „Das Baby friert. Aber das ist jetzt zum Glück vorbei“, sagt die Eigentümerin und Managerin des „Zirkus Zaballo“, der Mittwoch mit Sack und Pack vom Parkplatz vor der ehemaligen Zeche Niederberg zum Gelände hinter der Alten Mühle in der Dong umgezogen ist. Dort hat Hausherr Dr. Joachim H. Bürger den Artisten, Dompteuren und Tieren für die Wintermonate „Asyl“ gewährt. Die RAG Montan Immobilien GmbH hatte den Zirkusleuten eine Aufforderung zur Räumung des Grundstücks zugestellt. „Wir waren total verzweifelt, wir wussten nicht, wohin wir gehen sollten“, sagt Carmen Kaselowsky.
Grünes Licht von Stadt und Kreis
Als Joachim H. Bürger aus der Rheinischen Post von der Notlage erfuhr, war für ihn sofort klar, dass dies ein Fall für die Bürgerstiftung Neukirchen-Vluyn war, deren Motto „Es gibt nichts Gutes, außer man tut es“ lautet. Die Zirkusfamilie sollte auf seinem Grundstück hinter der Alten Mühle ihr neues Winterquartier beziehen. Bei Bürgermeister Harald Lenßen fand er sofort ein offenes Ohr für sein Anliegen. Innerhalb von 15 Minuten wurde im Rathaus Neukirchen-Vluyn und bei der Kreisverwaltung alles Notwendige geklärt. „Wir haben von Anfang an versucht, ein geeignetes Grundstück für den Zirkus zu finden – leider ohne Erfolg. Deshalb bin ich jetzt froh, dass wir diese Lösung gefunden haben“, sagte Lenßen.
Er habe durchaus Verständnis für das Verhalten der RAG, schließlich sei sie Eigentümerin des Grundstücks und müsse entscheiden können, was dort geschehe. Außerdem habe sie die Frist zur Räumung verstreichen lassen, ohne Zwang oder Druck auszuüben.
Ausgesprochen unbürokratisch hat der zuständige Beamte im Kreishaus Wesel auf die Frage reagiert, ob Belange des Landschaftsschutzes der Einquartierung des Zirkus im Wege stehen würden. Seine Antwort: „Wir haben hier Wichtigeres zu tun, als darüber nachzudenken, ob ein Zebra in den Wald scheißt“.
Petra Blask von der Bürgerstiftung freut sich mit den Zirkusleuten über den guten Ausgang: „Wir sind glücklich, dass es uns in so kurzer Zeit gelungen ist, grünes Licht für das Winterquartier hinter der Alten Mühle zu bekommen“.
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