Moers: Rathaussturm mit Bierwagen
VON DIRK MÖWIUS - zuletzt aktualisiert: 11.02.2010 - 16:47Moers (RPO). In Moers stürmten die Möhnen am Donnerstagmittag das Rathaus. Bürgermeister Norbert Ballhaus hatte keine Chance. Übrigens: In diesem Jahr gab es wieder einen Bierwagen!
Da war er wieder, der Bierwagen vor dem Neuen Rathaus, der im vergangenen Jahr so schmerzlich vermisst worden war. Schausteller Dirk Aberfeld verkaufte dort gestern mehr Glühwein als Gerstensaft.
Dass sich der Wagen als eine Art Trojanisches Pferd entpuppen sollte, ahnte die Möhnenschar noch nicht, als sie fröhlich mit dem Prinzenpaar Jörn I und Simone I zur Treppe vor dem Rathaus zog. Prinzessin mit Sparvorschlag Blitzschnell verwandelten Dirk Aberfeld und Helfer den Ausschank in einen Käfig.
Darin winkte Bürgermeister Norbert Ballhaus fröhlich mit dem Stadtschlüssel, während Obermöhne Brigitte Keller unbeeindruckt ihr Programm abspulte. Offensichtlich vermutete sie Ballhaus noch in seinem Büro am Schreibtisch, wohl nicht wissend, dass er sich in der Nähe von Pils-Vorräten auch sehr wohl fühlt. Erst als die Garde aufzog, wurde die Altweiberschar auf das Versteck des Stadtoberhaupts aufmerksam.
Keller ordnete einen Angriff an: Aber nur vier Möhnen liefen los. Mit ihren Konfetti-Musketen, angefeuert von Ballhaus ("Ihr müsst den Möhnen einen dröhnen") wehrte die Garde die Attacke locker ab. Da weder Prinzessin Simone I. es mit ihrer Geheimwaffe Charme versuchte noch Brigitte Keller einen Vollangriff riskieren wollte, schien der Rathaussturm 2010 als gescheitert in die Stadtgeschichte einzugehen.
Doch am Ende wollte Norbert Ballhaus dann doch lieber Karneval feiern als sich über die leere Stadtkasse zu ärgern. Er ergab sich, die Möhnen durften den Käfig aufschneiden. "Was sollen wir eigentlich mit dem Schlüssel, im Rathaus ist doch eh nichts mehr zu holen?", bekam er dafür den Spott von Obermöhne Keller ab. Prinzessin Simone I dachte schon an die Zukunft. Sie bat Ballhaus sozusagen als Sparvorschlag für seinen desolaten Haushalt das Schloss des Rathaus zu retten und wieder in den Neubau einzusetzen.
So bliebe den Karnevalisten der Zugang zum Rathaus dauerhaft gesichert. Die Möhnen machten sich mit dem gefesselten Bürgermeister auf ihren Weg durch die Stadt. Währenddessen begann am Altmarkt zu den Klängen des Duos L.O.B.O. ein buntes Karnevalsprogramm, bei dem die Tanzmariechen tapfer der Kälte trotzten. Abends war die Narrenschar dann froh, sich in den wieder überfüllten Lokalen der Altstadt und der Ortschaften bei den Möhnenbällen aufwärmen zu können.
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