Moers: Regen-Kapriolen
VON ANJA KATZKE - zuletzt aktualisiert: 30.08.2010 - 15:05Moers (RPO). Gestern ging das 34. Comedy Arts Festival zu Ende. Das Wetter machte den Veranstaltern einen dicken Strich durch die Rechnung. Viele Besucher, die sich sonst spontan eine Karte kauften, blieben zu Hause. Das bedeutet Einbußen.
Aspiranten auf den Comedy-Preis "Henriettchen" hätte es dieses Mal viele gegeben: Puppenspieler Michael Hatzius zum Beispiel, der mit der kettenrauchenden Echse für die deutschsprachige Überraschung des Festivals sorgte. Mit dem Engagement des Absolventen der Puppenspiel-Abteilung an der Berliner Ernst-Busch-Hochschule für Schauspielkunst hat Festivalchef Holger Ehrich bewiesen, dass das Moerser Humorspektakel noch immer die Trends setzt und die Talente findet. Solch ein grässliches Ding wie die Echse, die blasiert von sich behauptet, nicht nur die Zellteilung erfunden, sondern auch das erste Theater der Welt gegründet zu haben, und ganz nebenbei die Erdgeschichte vom Urknall bis heute aus der Perspektive einer Echse neu erzählt, bringt frischen Pepp in die heutige Comedy-Szene.
Winter-Comedy-Show
Wer nicht genug von Comedy Arts bekommen kann und nicht bis Juli 2011 warten will, der sollte sich den Comedy Arts-Weihnachtsclub vormerken. Die Festivalmacher präsentieren erstmals eine Wintershow in Club-Atmosphäre. Der vorweihnachtlichen Mix aus Komik, Musik, Kabarett und Artistik ist für den 9. und 12. Dezember im Bollwerk 107 terminiert.
Und das Henriettchen geht an. . .
Eine Klasse für sich ist auch das Duo "Emmi und Willnowsky als abgetakelte Diva mit russischem Tastenkaspar. Geeignete Preisträger wären auch die Spanier "Los2Play" gewesen, die zwischen faszinierender Akrobatik und Pannenshow für Schenkelklopfer sorgten. Nicht zu vergessen, die Künstler, die gestern Abend in der Arena für den Abschluss im strömenden Regen sorgten sollten. Die Kulturstiftung der Sparkasse am Niederrhein entschied sich für das Multitalent Raymond Crowe aus Australien, dessen Show in Moers als Deutschland-Premiere zu erleben war. Er bekam am Samstag das Henriettchen verliehen. Eine Verneigung haben an diesem Wochenende, das als eines der kältesten in die Geschichte des Festivals eingehen wird, alle Künstler verdient: Es ist nicht leicht, ein frierendes Publikum zu Begeisterungsstürmen zu motivieren. Geschafft hat es ein Quartett aus den Niederlanden, das so gar nicht ins Programm der Clownerie und Blödelei passen wollte. Die A-Capella Gruppe "Intrmzzo". Die Zuschauer gingen bei den Songs richtig mit.
Man fragt sich, wie Holger Ehrich es immer wieder schafft: In Zeiten knapper Kassen – auch das Comedy Arts muss sparen und Sponsoren geben weniger Geld – hat er für Moers wieder ein erstklassiges Programm zusammengestellt. Moers bleibt die Spaßhochburg. Das Festival hätte zwei Dinge auf jeden Fall verdient gehabt: besseres Wetter und mehr Zuschauer. Der maue Kartenverkauf hat Auswirkungen. Freitag wurden 1300, Samstag, 1400 Karten verkauft, das sind bis zu 200 Karten weniger als gewöhnlich. Das bedeutet ein finanzielles Minus für das Comedy Arts Festival.
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