Kamp-Lintfort: Rieger kommt, Fabry geht
VON TIMO STEPPAT - zuletzt aktualisiert: 13.09.2010Kamp-Lintfort (RPO). Kamp-Lintforts neuer katholischer Pfarrerr Karl-Josef Rieger wurde gestern Nachmittag feierlich in das Amt eingeführt. Zugleich verabschiedete die Gemeinde Pater Clemens Fabry.
Die St.-Josef-Kirche war bis auf den letzten Platz besetzt, viele mussten stehen. Der besonders hohe Andrang galt Kamp-Lintforts neuem katholischen Pfarrer, Karl-Josef Rieger. Er wurde gestern Nachmittag feierlich in das Amt eingeführt. Symbolisch überreichte man ihm den Hirtenstab, den die Pfarrer der Gemeinde St. Josef mit sich führen. Zugleich war die eineinhalbstündige Messe auch der Abschied von Pater Clemens Fabry, der während der neunmonatigen Übergangsphase die Pfarrverwaltung geleitet hatte. Fabry hinterlasse ein "gut bestelltes Feld", lobte ihn sein Nachfolger. Ende letzten Jahres hatte Pfarrer Markus Dördelmann angekündigt, Kamp-Lintfort zu verlassen.
Radler und Reisender
Karl Josef Rieger ist geboren 1960 in Enniger. Rieger wollte Pilot werden und fliegt immer noch gern. Seine Hobbys sind Fahrradfahren, er macht gerne Städtereisen, hört Musik ("Pop und auch Klassisches") und liest. Rieger hofft, die Kirche werde ihre "höfische Struktur" verlieren und sich öffnen.
Von Oelde nach Kamp-Lintfort
Im Rahmen des Neujahrsempfangs verabschiedete man ihn. Neun Monate sind inzwischen vergangen. Eine solche Karenz bei der Besetzung einer Pfarrstelle sei durchaus üblich, heißt es vonseiten der Kirche. Karl-Josef Rieger freut sich auf seine neue Arbeit, wie er seiner ersten Predigt bekräftigte. Zuvor war Rieger (50) sieben Jahre lang Pfarrer in St. Johannes in Oelde (Kleinstadt im Münsterland).
1991 wurde er Diakon in Delmenhorst, ab 1992 Kaplan in Voerde und Schapdetten. Zwischen 1998 und 2003 war Rieger Regionalvikar für den Niederrhein und zugleich als Seelsorger in Goch tätig. Die neue Aufgabe in Kamp-Lintfort sei für ihn also eine Art Rückkehr, hieß es. "Hier stehe ich nun vor Ihnen, vor euch, als Ihr, als euer neuer Pfarrer", sagte Rieger zu Beginn seiner Predigt. In seiner Zeit in Oelde seien einmal eine Mutter und ihr Kind an ihm vorbeigegangen. Das Kind habe der Mutter, die ihn nicht kannte, gesagt: "Das ist der Pastor". Dabei betonte Rieger das "der". "Genau das wünsche ich mir auch für Kamp-Lintfort. Ich will Ihr Pastor sein." Als zweites großes Thema behandelte der Geistliche "die tiefe Krise" der katholischen Kirche: "Viele Menschen haben sich in den letzten Monaten abgewandt oder hatten schon vorher den Faden abgetrennt", sagte er. Rieger forderte die Gemeinde dazu auf, nach diesen Menschen Ausschau zu halten und für diese offen zu sein. Seine Ansprache beendete er mit einem freundlichen "Glück auf!" Innerhalb der Gemeinde ist der neue Pfarrer noch gänzlich unbekannt. Der Gottesdienst am Sonntag war sein erster offizieller Auftritt.
"Ich war vorher schon inkognito in Kamp-Lintfort, habe eingekauft, hier gefrühstückt und mich umgehört", berichtete er. Das Echo auf den Neuen innerhalb der Gemeinde war positiv. "Sehr sympathisch", meinte eine junge Frau. Er könne frischen Wind in die Gemeinde bringen, lautete die Einschätzung eines anderen Gemeindemitglieds. Anschließend traf man sich im Josef-Jeurgens-Haus.
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