Moers: Roter Teppich für den Bahnhof
VON CHRISTIAN SCHWERDTFEGER - zuletzt aktualisiert: 14.02.2009Moers (RPO). Eine Projektgruppe des Adolfinums wertete gestern den Moerser Bahnhof mit künstlerischen Elementen auf. Zudem befreiten sie das Gelände vom Schmutz. Mit der Aktion wollen die Jungendlichen auch Kritik üben.
"Vorsicht an der Bahnsteigkante, hier wird geputzt." Verdutzt steigen die Passagiere aus dem Zug und blicken sich irritiert um. Jugendliche in weißen Anzügen stehen am Gleis. Sie wedeln mit roten Handzetteln, schwingen den Besen und fuchteln mit Pinseln herum. "Was ist denn hier los?", fragt eine ältere Dame verblüfft.
Konkrete Kunst aus Schrott
Eine Projektgruppe des Gymnasiums Adolfinum ließ am gestrigen Nachmittag den teils doch sehr heruntergekommenen Moerser Bahnhof mit Putzlappen, Schrubbern und Scheuermitteln in neuem Glanz erstrahlen. Vor allem aber peppten sie die "Angstzone Bahnhof" mit künstlerischen Elementen auf. "Mit der Aktion wollen wir die Menschen aufrütteln, sie auf die widrigen und unschönen Umstände hier aufmerksam machen", erklärt die 17-jährige Nina.
Die jungen Künstler
Zur Projektgruppe gehören: Julia Bäumken, Natascha Brandl, Liona Buch, Justus Dünzen, Mareike Gassmann, Kristin Großbongardt, Lisa Harbert, Fabian Heydemann, Torben Kemper, Khira Nacef, Sebastian Oestreich, Vivian Paschen, Darius Peykan, Jil Prokop, Jana Richter, Andreas Röhling, Viola Schffner, Nina Schmitz, Alina Tiede, Bellejah Toby, Gerrit Walther, Julian Wilke, Olga Wolf.
Zur Verschönerung des Bahnhofgeländes haben sich die Jugendlichen im Alter zwischen 15 und 19 Jahren viele kreative Gedanken gemacht. An den Wänden im Bahnhofsinneren hängen acht je zwei Quadratmeter große farbenfrohe Gemälde, auf den Gehwegen und Treppenstufen sind unzählige rote, gelbe und blaue Fußspuren hinterlassen, am Bahnhofseingang ist ein roter Teppich ausgerollt, auf dem die Schüler kleine Theaterstücke aufführen, und aus einem großen Lautsprecher tönt Popmusik.
Am Aufgang zu den Gleisen grüßen zwei Fahrräder von einer Wand, ein drittes steht auf einem Betonklotz auf dem Bahnhofsvorplatz. "Das sind drei ehemalige Schrottfahrräder, aus denen wir konkrete Kunstwerke geschaffen haben", erklärt Projektleiterin Claudia Landes. Jedes der Räder ist mit bunter Lackfarbe besprüht und erzählt eine eigene Geschichte. Ein Rad "fährt" an einer Krücke, ist komplett in Gips gehüllt und mit roten Farbklecksen übersäht. "Wir wollen die Leute auch zum Nachdenken anregen", sagt der 18-jährige Jens Wrobel.
Gleichzeitig sollen die "Kunsträder" auch als Hinweisschilder dienen. "Die Bahngleise und die Radstation sollen so leichter zu finden sein", sagt Landes. Das von den Schülern aufwendig dekorierte Bahnhofsareal soll alles andere als eine Momentaufnahme sein. "Wir hoffen, dass es so schön bleibt. Wir setzen auf Nachhaltigkeit. Aber wir sind uns natürlich darüber im Klaren, dass unsere Kunst gerade hier am Bahnhof schnell zerstört werden kann", erklärt Jens.
Unterstützung für die Umsetzung erhielt die Projektgruppe von der Deutschen Bahn, die unter anderem Farbe zur Verfügung stellte, dem Sci, den Servicebetrieben der Stadt Moers, dem Tiefbauamt, der Moers Marketing GmbH, dem Ordnungsamt und vom Moerser Schlosstheater.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum




