Moers: Rundmails voller Lebenslust
VON JUTTA LANGHOFF - zuletzt aktualisiert: 07.02.2012Moers (RP). "Wie merkt man, dass man Leukämie hat?" Die 20-jährige Theologiestudentin Meike Schneider kann es nicht glauben, dass ausgerechnet sie an dieser bösartigen Form des Krebses erkrankt sein soll. Ausgerechnet sie, die so voller Lebenslust ist und noch so viele Zukunftspläne hat. Doch die Diagnose ist eindeutig. Die junge Frau nimmt mutig den Kampf mit ihrer Krankheit auf, wozu ihr nicht nur ihr Glaube an Gott, sondern auch die liebevolle Zuwendung ihrer Eltern und Freunde immer wieder neuen Mut geben. Zwei Jahre lang beschreibt sie in sporadischen Tagebucheintragungen und Rundmails ihre schmerzhaften Untersuchungen und Kraft zehrenden Behandlungen, ihre Zweifel und Hoffnungen, sowie ihre Trotz- und Auflehnungsphasen gegen Gott und die Welt, bis der Krebs sie am 3. Februar 2005 besiegt. Meikes Leidensgeschichte und auch die ihrer Eltern Anne und Nikolaus Schneider (beide sitzen an diesem Abend still unter den Zuhörern) waren unter dem Titel "Ich will mein Leben tanzen" und "Wenn das Leid, das wir tragen, den Weg uns weist" Gegenstand einer 90-minütigen Lesung im Rahmen der Projektreihe "ÜberGehen".
In diesem Fall hatte Regisseur Roger Vontobel mit den drei Schlosstheater-Akteuren Patrick Dollas, Marieke Kriegel und Kinga Prytula sowie dem Kölner Bassisten Achim Tang eine von diversen szenischen Untermalungen bereicherte Lesung vorbereitet. So wurden die wechselweise von den drei Schauspielern vorgetragenen Originaltexte unter anderem durch tanzende Lichtreflexe, Lautsprecherzitate anderer bekannter Schreiber und an einer Stelle sogar durch eine fröhliche, vom Publikum mitgetragene Tanzeinlage untermalt.
Das wirklich Berührende an diesem Abend blieben jedoch zu jeder Zeit die Texte selber, und da vor allem jene, die selbst nach einer erfolglosen Knochenmarkübertragung noch immer Meikes bis zum Schluss vorhandene Lebenslust beschrieben: "Spaghetti mit Tomatensoße wäre jetzt großartig." Die gab es dann am Ende der Lesung tatsächlich, serviert zu Meikes Ehren von den drei Lesungsakteuren des Abends.
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