Moers: Sanierung Altes Rathaus: Ratsbeschluss verändert
VON HERIBERT BRINKMANN - zuletzt aktualisiert: 26.01.2010Moers (RPO). Rainer Knauf, Projektleiter Rathausneubau in der Verwaltung, hat dem Stadtrat und seinen Ausschüssen schon oft Rede und Antwort gestanden – und meistens Zustimmung gefunden. Gestern jedoch löste sein Bericht im Bau- und Grundstücksausschuss einige Irritationen bei den Politikern aus. Der Sachstandsbericht Rathausneubau ließ eigentlich keine Überraschungen vermuten, denn – trotz Schnee und Eis – sind die Baustellen Kultur- und Bildungszentrum sowie Rathaus im Zeitrahmen geblieben. Doch dann gab Dr. Burghardt Jüdt von der Firma Gehlen in Düsseldorf seinen Bericht zu den Energiewerten des zu sanierenden Alten und des zu bauenden neuen Rathauses ab – und ließ die Politiker aufhorchen. Vor allem die Grünen-Politiker, aber auch Gabriele Kaenders von der Linken wollten wissen, warum der Rat nicht vorher informiert worden ist.
Im Ratsbeschluss für das PPP-Projekt Rathausneubau wurde in Vorgriff auf die Gesetzesvorgabe von 2009 für Gebäudeemissionen der Wert von 2007 minus 30 Prozent festgesetzt, und zwar für Neubau und den Sanierungsfall Altes Rathaus. Während dies für den Neubau leicht einzuhalten ist, gibt es jetzt Probleme, diese Vorgabe am Alten Rathaus einzuhalten. Der Schuldige wurde gestern gleich mitgeliefert: der Denkmalschutz. Da es sich um ein denkmalgeschütztes Gebäude handelt, kommt keine Fassadendämmung in Frage. Und eine Innendämmung, so wurde gleichfalls schnell in den Raum gestellt, sei nicht machbar, weil bei einer Innendämmung mit einer Stärke von 14 bis 16 Zentimetern der Raumverlust zu groß sei, ebenfalls bestehe die Gefahr der Schimmelbildung. Christopher Schmidtke kritisierte für die Grünen, dass der Ratsbeschluss nicht umgesetzt sei. Für die Grünen war die Energiebilanz gerade des Alten Rathauses ein wichtiges Kriterium, dem gesamten PPP-Projekt zuzustimmen. Auch Klaus Brohl von der CDU zeigte sich über das Vorgehen "enttäuscht".
Kaum Moerser Betriebe
Einmal in Fahrt gekommen, wurden auch die Baumaßnahmen an Schulen kritisch unter die Lupe genommen. Das Zentrale Gebäude Managements der Stadtverwaltung hat im Dezember etwa für die Justus-von-Liebig-Hauptschule jede Menge Aufträge vergeben, von der Dachbegrünung bis zur Mensakücheneinrichtung. Doch nur sieben von 22 Aufträgen gehen an Unternehmen in der Region (Geldern, Alpen, Kevelaer), Moerser Betriebe gehen ganz leer aus. Die Malerarbeiten übernimmt ein Betrieb aus Naumburg, das Parkett eine Firma aus Chemnitz. Klaus Brohl (CDU) berichtete, viele Handwerker in Moers beschwerten sich, nicht zum Zuge zu kommen. Die Stadt jedoch muss öffentlich ausschreiben und den günstigsten Bieter beauftragen.
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