Moers: Schunkelpflicht in den Niag-Bussen
VON JUTTA LANGHOFF - zuletzt aktualisiert: 19.11.2007Moers (RPO). Und Tschüss! Ballhaus, Landscheidt und Co. dürfen ihre Aktenköfferchen packen, die Grafschaft hat jetzt einen neuen Regenten. Prinz Dieter I. ist sein Name, und am Samstag erhielt er in einer feierlichen Inthronisierungszeremonie im der Rheinkamper Kulturzentrum aus der Hand des Moerser Bürgermeisters Norbert Ballhaus den Pallmann, sprich das närrische Regierungszepter, überreicht. Bis Aschermittwoch wird er die Geschicke des närrischen Grafschafter Volkes lenken wird. Unterstützung erhält er dabei von ihrer Lieblichkeit Prinzessin Marita I., die an diesem Abend ebenfalls von hoher Regierungshand, nämlich vom stellvertretenden Weseler Landrat Heinz Dams, als Zeichen der weiblichen Narrenmacht das Diadem ins sorgfältig frisierte Haupthaar gesteckt bekam.
Diäten für Ratsmitglieder zwecklos
„Jetzt endlich ist es so weit, jetzt endlich regiert die Narrenzeit“, hatte zuvor schon der gerade erst frisch erwachte Hoppeditz, alias Kurt Zimmermann, frohlockt, wobei er das neue Prinzenpaar allerdings auch auf die weniger schönen Dinge aufmerksam machte, die sie in ihrem neuen Reich demnächst zu erwarten haben, zum Beispiel die „Zahnspangen-Schumis“ in der nächtlichen Moerser Innenstadt, ein gigantisches Einkaufsparadies am Königlichen Hof und eine nicht enden wollende Debatte über das Schicksal des Moerser Rathauses. All das berührte Prinz Dieter I. allerdings wenig, denn wie sich beim Verlesen seiner elf Proklamationsankündigungen zeigte, hat er mit seinem Reich in nächster Zukunft ganz andere Pläne. So wolle er auf keinen Fall einer Diätenerhöhung der Moerser Ratsmitglieder zustimmen, denn alle bisherigen Diäten hätten bereits bewiesen: „Die nehmen sowieso nicht ab.“ Stattdessen dürfen demnächst alle Politessen die von ihnen erwischten Parksünder zärtlich bützen, und in den Bussen der Niag ist absolute Schunkelpflicht angesagt. Außerdem, so lautete seine Verkündigung weiter, werde das Rathaus ab jetzt an jedem Elften des Monats allen Bürgern eine Flasche Weinbrand spendieren, und Bürgermeister Ballhaus würde zum Mischen von „Oschis“ abkommandiert.
„Ist das ein Prinzenpaar oder nicht?“ war Kulturausschuss-Präsident und Oschi-Freund Olly Olberts am Ende der Proklamation sichtlich begeistert, und auch die rund 500 Gäste schenkten ihrem neuen Regenten einen riesigen Applaus.
Damit war der offizielle Teil des Abends beendet, und der unterhaltsame konnte beginnen. Dem hohen Anlass angemessen durften die Besucher in den nun folgenden Stunden ein abwechslungsreiches Bühnenprogramm mit vielen musikalischen, tänzerischen und komödiantischen Highlights erleben, darunter das Akkordeonorchester Rheinhausen, in dem auch die Prinzessin kurz einen beeindruckenden Auftritt hatte, den Viersener „Engel Hettwich“ mit seiner wenig himmlischen, köstlich frechen Schnauze, und das Moerser Schlossballett, in dem Prinz Dieter schon seit einiger Zeit die behaarten Waden schwingt.
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