Neukirchen-Vluyn: Sie glauben an ihre Zukunft
VON CHRISTIAN SCHROEDER - zuletzt aktualisiert: 31.12.2008Neukirchen-Vluyn (RPO). Irmgard Weth erinnert sich an eine „Schatzsuche“: Die Konfirmanden im Kinder- und Jugenddorf des Neukirchener Erziehungsvereins durften eine Kiste suchen, die mit Neukirchener Kinderbibeln gefüllt war. „Eine Bibel, gib her!“, ich will auch eine“ – mit diesen Worten freuten sich die Kinder aus schwierigen sozialen Verhältnissen über die Bibeln. „Sie gehören euch erst, wenn Ihr sie ganz gelesen habt“, hat Irmgard Weth damals gesagt und leise gedacht: „Ob ihr das jemals schafft?“
Einfache Worte und kurze Sätze
Eine Woche später habe einer der Konfirmanden bei ihr vor der Tür gestanden und eine Bibelgeschichte nach der anderen erzählt. Seine Lieblingsgeschichte sei die von Samuel, dem kleinen Jungen, der fern von zu Hause wohnen muss, den Gott aber zu seinem Hoffnungsträger macht. Irmgard Weth begriff und weiß heute: „Es ist seine Geschichte, die er in dieser alten Geschichte wieder entdeckt hat.“
Das ist es, worauf es der Theologin und Pädagogin bei den von ihr konzipierten Bibeln ankommt: mit einer sehr diesseitigen, weltlichen, ja beinahe profanen Sprache zu den verborgenen Aussagen der Heiligen Schrift hinführen. Mit einfachen Worten, in kurzen Sätzen und mit viel wörtlicher Rede wird einfach erzählt. Die wenigsten Bewohner des Kinder- und Jugenddorfes haben eine religiöse Sozialisation erfahren. Die meisten sind erst in Neukirchen mit der Bibel in Kontakt gekommen. Gerade wenn sie dann aber den Kern der biblischen Aussagen auf Anhieb erkennen, macht ihr das Hoffnung. Hoffnung, weil diese sozial benachteiligten jungen Menschen vielfach ihrerseits eine beeindruckende Hoffnung mitbringen. Sie haben Vorstellungen, wie sie ihre Zukunft gestalten wollen. „Trotz ihrer extrem eingeschränkten Bedingungen wachsen sie gerade in Situationen, in denen sie merken, dass sie gebraucht werden, über sich hinaus und entwickeln Verantwortungsbewusstsein“, hat die 65-Jährige beobachtet.
Und wenn sich dies auch nur in kleineren Begebenheiten zeigt: Da war plötzlich für ein Krippenspiel ein Darsteller ausgefallen, und eigentlich sollten die übrigen Jugendlichen, die zur Verfügung gestanden hätten, einen Ausflug ins Phantasialand machen. Da sagte einer der Jugendlichen, von dem man es vielleicht am wenigsten erwartet hätte: „Wenn ich hier gebraucht werde, verzichte ich doch aufs Phantasialand ...“
Info Die Kinderbibel aus dem Kalenderverlag des Neukirchener Erziehungsvereins ist 20 geworden: 1988 gab Irmgard Weth die „Neukirchener Kinder-Bibel“ heraus, 1998 dann die „Neukirchener Erzähl-Bibel“ und nun im Herbst die neue „Neukirchener Vorlese-Bibel“. Auch dieses Buch ist wieder illustriert mit den Bildern des Niederländers Kees de Kort. Die Vorlese-Bibel (ISBN 978-3-920524-57-3) umfasst 144 Seiten und kostet 14,90 Euro.
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