Moers: Spannende Schulstunde
VON HERIBERT BRINKMANN - zuletzt aktualisiert: 21.02.2009Moers (RPO). Das Schlosstheater Moers brachte Schüler der Jahrgangsstufe 12 des Grafschafter Gymnasiums und den jungen New Yorker Dramatiker Michael Yates Crowley zusammen. Ausgangspunkt waren "Die Ted Haggard Monologe".
Er war am Donnerstag von New York über London und Düsseldorf nach Moers gekommen. Gestern Morgen um 10 Uhr – für ihn in New York wäre es 4 Uhr früh gewesen – saß Michael Yates Crowley auf der Bühne des Schlosstheaters in der Dekoration von "Alice – Expeditionen ins Wunderland" und stellte sich den Fragen von Schülern der Jahrgangsstufe 12 des Grafschafter Gymnasiums. In ihren Englisch-Kursen hatten sie sich auf die Begegnung mit dem jungen New Yorker Autor vorbereitet. Er schrieb "Die Ted Haggard Monologe", die das Schlosstheater als deutschsprachige Erstaufführung in der Kapelle an der Rheinberger Straße zeigte. Gestern Abend verfolgte der Autor nun das Spiel von Ekkehard Freye in der Inszenierung von Bastian Tebarth. Anschließend folgte ein Publikumsgespräch.
Grafschafter im Wunderland
Für die Grafschafter Gymnasiasten eröffnete sich eine Reise in ein Wunderland kreativer Schreibe und des Underground-Theaters. New Yorks Off-Off-Broadway-Theaterszene ist ein Tummelbecken junger Theaterbegeisterter mit einem eigenen Publikum, meistens Studenten, Juden und Schwule – wie Crowkey grinsend erzählte. In dieser Szene ist man reich an Ideen, aber arm an Geld. Deswegen arbeitet der 24-jähriger New Yorker auch in einem Brotberuf in einem Finanz-Unternehmen, das von der Finanzkrise betroffen wurde.
Zu Beginn der anderthalbstündigen "Schulstunde" kündigte Dramaturg Fabian Lettow eine Lesung an. Bei Crowley blieb es natürlich nicht bei einer Lesung. Er sprang auf und schlüpfte in drei verschiedene Rollen der Monologe. Dabei wurde gleich ein Unterschied deutlich: Crowley imitierte den Blick gegen Himmel, der die vermeintlich frommen Reden der Protagonisten mit höherem Beistand versehen sollte. In Deutschland gibt es – noch – nicht landesweit bekannte Fernsehprediger, die mit einer Mischung aus Rhetorik und Schauspielerei Gottes Wort verkünden. Die Christen in Deutschland unterscheiden sich in Katholiken und Protestanten, noch spielen Evangelikale bei uns nicht die Rolle wie in den USA. Dort war Ted Haggard Führer einer fundamentalistischen christlichen Kirche mit Millionen Mitgliedern und mit Präsident Bush befreundet. Im TV und von der Kanzel wetterte er gegen Homosexualität. Sein Fall ins Bodenlose war besiegelt, als ein Callboy ihn als seinen Kunden und Dealer über drei Jahre hin outete. Crowley antwortete auf die meist sehr präzisen und gut vorbereiteten Fragen der Schüler sehr offen. Er habe kein Schwulenstück schreiben wollen und sich auch nicht über Kirchenvertreter lustig machen wollen. Es gehe um die Frage des Charakters.
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