Kamp-Lintfort: Spannender Seitenwechsel
VON SABINE HANNEMANN - zuletzt aktualisiert: 18.09.2010Kamp-Lintfort (RPO). Ihre Idee haben Auszubildende der Volksbank Niederrhein auf dem letzten Unternehmerstammtisch vorgestellt und beruflich die Seiten gewechselt. Carina Vietoris melkt Kühe, Kathi Hofacker packt beim Gerüstbauer mit an.
Der Gerüstbauer Heiner Lehmbrock hat nicht lange gezögert, als beim Unternehmerstammtisch der Volksbank Niederrhein das innovative Azubi-Projekt Seitenwechsel vorgestellt wurde. "Ich fand schon die Präsentation gelungen und habe mich sofort gemeldet." Für eine Woche arbeitet jetzt Bankazubi Kathi Hofacker (20) in seinem Betrieb Partner Gerüstbau an der Saalhuysener Straße. Sie hat für ein Woche die Seiten gewechselt. Statt im Schalterdienst ist sie auf Baustellen. "Ich fand Gerüstbau auf Anhieb spannend, und Höhenangst habe ich auch nicht", begründet sie ihre Branchenwahl.
Allerdings baut sie als Neuling keine Gerüste auf. Das ist aus Sicherheitsgründen selbstverständlich. Sie hat eher die logistische Seite kennengelernt, hat erfahren, worauf es bei den verschiedenen, Etat intensiven Angeboten ankommt und wie der Berufsalltag samt Vorbereitung der Baustellen inklusive Termindruck aussehen kann. "Ich weiß jetzt, wie viel Arbeit dahinter steckt", meint Kathi. Den Beruf des Gerüstbauers hat sie für sich neu entdeckt. "Gerüstbau ist ein sensibles Gewerk und Vertrauenssache. Ohne Gerüstbauer können die anderen Gewerke auf der Baustelle nicht beginnen", so Lehmbrock.
Trecker statt Tresor
Um 6 Uhr startete Kathi in den Arbeitstag, wie alle anderen 140 Mitarbeiter und zehn Auszubildenden auch. Ähnlich früh beginnt die Arbeit bei Carina Vietoris, die beim Landwirt Gerd Luyven auf dem Hof an der Vluynbuschstraße den Stall ausgemistet und Kühe gemolken hat. Trecker fahren kann sie inzwischen auch. Besonders angetan haben es ihr die jungen Kälbchen. "Ich wollte einfach den größtmöglichen Gegensatz zur Bank", meint die 21-Jährige aus Millingen im zweiten Ausbildungsjahr. Beeindruckt hat sie die Viehauktion in Krefeld. "Super interessant", meint sie im Rückblick. "Ich habe mir früher dazu keine Gedanken gemacht, auch nicht, wie ein Tag auf dem Bauernhof aussieht", meint sie. Die Natur, die Felder und vor allem Kühe sieht sie mit anderen Augen. Verständnis für den Beruf Landwirt hat sie und Respekt. "Landwirtschaft bedeutet nicht, ein paar Kühe zu melken, sondern ist körperlich harte Arbeit und verlangt genaues betriebswirtschaftliches Planen." Landwirt Gerd Luyven, der auf dem Hof Milchwirtschaft, Rinderzucht und Futterbau betreibt, sieht im Betriebspraktikum Vorteile für junge Menschen. "Der Austausch ist in dem Alter einfach sehr wichtig. Auszubildende können nur profitieren", meint Luyven, der bei der nächsten Neuauflage wieder mitmachen würde. "Ich glaube, Carina hat eine Vorstellung davon, dass unsere landwirtschaftlichen Arbeitsmaschinen andere Laufzeiten bei der Finanzierung haben", meint er lachend.
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