Moers: Spatenstich für Kulturinsel
VON HERIBERT BRINKMANN - zuletzt aktualisiert: 31.08.2006Moers (RPO). Die historischen Wall- und Grabenanlagen im Moerser Schlosspark werden umgestaltet. Im Bereich Nepix Kull am Südring werden die Gräben an alter Stelle wieder freigelegt. Für die Stadt bleibt das Projekt „kostenneutral“.
Passend zum ersten Spatenstich waren die Niederländer wieder da. Jedenfalls bot der Caterer aus dem Nachbarland gstern borrelhappje an, in diesem Falle Wurst in einem weichen Brötchen. Den Oraniern verdankt Moers nicht nur seine Blütezeit im 17. Jahrhundert, sondern auch die Wall- und Grabenanlage, die bis heute noch im Stadtbild wieder zu finden ist. Durch den Umbau der Grünanlagen im Bereich Nepix Kull soll das historische Erscheinungsbild an dieser Stelle wieder klarer herausgearbeitet werden.
Einzigartig am Niederrhein
Gestern gab es an der Süd-Ost-Kurve den ersten Spatenstich. Bürgermeister Norbert Ballhaus, mit kleidsamen Feuerwehr-Stiefeln ausgerüstet, und der technische Beigeordnete Günter Wusthoff griffen beherzt zu den Spaten. Und damit keine Kritik laut wird, betonte Ballhaus, dass der Stadt bei diesem schönem Projekt keine Kosten entstünden. Vielmehr sei der Umbau durch Zuschüsse vom Land und von der Lineg sowie Mitteln der Hanns-Albeck-Stiftung, die sich den Erhalt des Schlossparkes zur Aufgabe gemacht hat, für den Kämmerer „kostenneutral“. Bis Januar 2007 werden dort immerhin 430 000 Euro verbuddelt. Die Stadt sieht es mit Wohlgefallen. Denn die oranische Wallanlage, 1601 bis 1620 errichtet, mache die Stadt am Niederrhein „einzigartig“.
Schlossgarten
In den ehemaligen Befestigungsanlagen hat der berühmte Düsseldorfer Gartenarchitekt Maximilian Friedrich Weyhe 1836 einen englischen Landschaftsgarten angelegt. Seine Schüler Nickertz (1874) und später Rosorius führten die Arbeit fort. Die Stadt kaufte 1905 Privatgärten auf. 1932 wurde der Park in Richtung Süden erweitert.
Der größte Eingriff in die Wallanlagen gilt den Ravelins (Bollwerken) L und M. Nach Fertigstellung im Januar sind in den dreieckigen Grünanlagen zwei neue Gräben gezogen. Der erste Graben wird durch den Moersbach gespeist und umschließt das Grün zu einer „Kulturinsel“, der zweite Graben kann nicht natürlich geflutet werden. Die Lineg sorgt mit einer Druckrohrleitung für den nötigen Zufluss. Sie nutzt das Projekt, um eine Druckleitung, die durch den Schlosspark führt, zu sanieren.
Mit dem Projekt wird eine Idee verwirklicht, die bereits 1993 im Parkpflegewerk beschlossen wurden. Die öffentliche Grünanlage soll Geschichte erlebbar machen. Gerade die Wallanlagen waren der Hauptgrund, den Schlosspark in das landesweite Projekt „Straße der Gartenkunst“ aufzunehmen. Mit dem Umbau wird gleichzeitig auch ein erster Schritt des Masterplans/Moers-Konzeptes im Bereich der Grünflächenplanung umgesetzt. Der Nachbau der Ravelins wurde eng mit dem Rheinischen Amt für Bodendenkmalpflege abgestimmt. Aus Sicherheitsgründen wird der Wall aber nicht mehr so steil sein wie zur Zeit der Errichtung, als er dazu diente, Feinde von der Stadt fern zu halten.Der Fußweg führt nur noch am Wall entlang.
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