Moers: Spielerisch lernen
VON HERIBERT BRINKMANN - zuletzt aktualisiert: 24.12.2008Moers (RPO). Seit anderthalb Jahren kümmern sich die Mütter von Opstapje in Repelen ehrenamtlich um Kleinkinder in benachteiligten Familien und bereiten sie auf den Kindergarten vor. Netzwerkkoordinatorin ist Ursula Elsenbruch.
Opstapje
Opstapje ist ein in den Niederlanden entwickeltes Spiel- und Lernprogramm für Kleinkinder ab 18 Monaten und deren Eltern. Das präventive Förderprogramm richtet sich sowohl an sozial benachteiligte deutsche als auch an Familien mit Migrationshintergrund. Opstapje dauert zwei Programmjahre von je neun Monaten und findet im Wesentlichen zu Hause statt. Die Konzeption zielt auf Stärkung von Ressoucen.
„Opstapje“ kommt aus den Niederlanden. Das Frühförderprogramm für benachteiligte Kleinkinder mit wissenschaftlicher Begleitung wird im Nachbarland seit 17 Jahren mit Erfolg eingesetzt. In Deutschland ist das Programm noch nicht so verbreitet. Als Opstapje – „Schritt für Schritt“ – im März 2007 in Repelen startete, waren nur Nürnberg, Bremen und Wesel die deutschen Vorreiter. Repelen ist aber bis heute die einzige deutsche Opstapje-Station, bei der ehrenamtlich gearbeitet wird, erklärt die Netzwerkkoordinator Ursula Elsenbruch.
Acht Besuchsmütter
Opstapje Repelen ist kein Verein, sondern eine Kooperation. Das Familienzentrum der evangelischen Kirchengemeinde Repelen und der Neukirchener Erziehungsverein, der bereits das Projekt in Wesel und seit neuestem auch in Duisburg betreut, arbeiten zusammen. Henrike Elsweiler begleitet das Programm wissenschaftlich. Ansonsten wird die Arbeit von acht Frauen ehrenamtlich gemacht. Für sie gilt nicht, lasset die Kindlein zu mir kommen, sondern sie gehen in die Familien, die Bedarf haben und aufgeschlossen dafür sind. Die acht Besuchsmütter, darunter zwei Muslima, betreuen heute die Kleinkinder einer deutschen, einer bosnischen und 28 türkischer Familien.
Einmal in der Woche gehen die Besuchsmütter in „ihre“ Familie. Jede Mutter betreut eine bis sechs Familien. Das Programm erstreckt sich über 18 Monate und deckt die Zeit vor dem Besuch eines Kindergartens ab. Die Mütter müssen beim Besuch dabei sein und an den Folgetagen das Gelernte mit dem Kind wiederholen. Mit ausgewähltem Spielzeug und Büchern wird gearbeitet, aber auch gebastelt. So wird spielerisch ganz nebenbei die deutsche Sprache erlernt. Wenn Migranten-Kinder dann in den Kindergarten kommen, sind sie so bereits gewohnt, die deutsche Sprache zu hören und zu verstehen. Außerdem können die kleinen Kinder auch schon mit Schere und Stiften umgehen.
Alle 14 Tage treffen sich die Besuchsteams mit Henrike Elsweiler vom Erziehungsverein, ebenso gibt es jede zweite Woche ein Gruppentreffen mit Müttern und Kindern plus Besuchsmüttern. Da Ursula Elsenbruch sich bereits in der Sprachförderung im evangelischen Kindergarten engagierte, wurde sie als erste angesprochen. Die 52-Jährige lebt seit ihrer Geburt in Repelen, war und ist in vielen Vereinen engagiert und kennt „unheimlich viele Frauen“, die nicht mehr berufstätig sind oder sein müssen, aber etwas Sinnvolles tun wollen. Die Besuchsmütter waren schnell gefunden. Das Projekt stellte sie in Repelen beim Kinderarzt und Moscheeverein vor. Nicht nur die Kinder profitieren vom Programm, sondern auch deren Mütter. Ursula Elsenbruch erlebt, wie sie mit der Gruppe vertraut werden und neues Selbstbewusstsein entwickeln.
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