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Region: Spielplätze: Eltern fordern Rauchverbot

VON LESLIE BROOK - zuletzt aktualisiert: 16.06.2010 - 14:18

Region (RPO). Das Land Nordrhein-Westfalen lehnt es ab, das Rauchen auf Spielplätzen zu verbieten – in Kitas darf bei manchen Veranstaltungen ebenfalls geraucht werden. „Äußerst bedenklich“ nennen die Autoren der Studie „Nichtraucherschutz“ des Kinderhilfswerks diese Regelungen.

Eltern fordern ein Rauchverbot auf Spielplätzen. Foto: Klaus Dieker

Als ihr Sohn Finn klein war, hat Krista Körbes oft und gerne mit ihm die Spielplätze in Wuppertals Nordstadt besucht. Bis zu einem Tag im Jahr 2007: Der fünfjährige Junge spielte im Sand und beobachtete Jugendliche, die auf dem Spielplatz rauchten. „Er hat mich gefragt, was die da machen, ich habe es ihm erklärt“, sagt seine Mutter. Kurz darauf habe Finn versucht, aus Papier eine Zigarette nachzubasteln, und sich diese in den Mund gesteckt. „Mich hat erschreckt, wie schnell er das Verhalten nachgeahmt hat.“ Die 45-Jährige ist sicher: Einzig ein landesweites Verbot würde die Zahl der Zigarettenkippen im Sandkasten und die Belastung durch Passivrauchen geringer werden lassen.

Info

Bundesländer

Ein Rauchverbot auf Kinderspielplätzen gibt es in Bayern, dem Saarland und in Brandenburg. Für Erzieher besteht bei Ausflügen und Fahrten in Baden-Württemberg, dem Saarland, Bremen und Hamburg ein Rauchverbot.
In Bayern, Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein und Thüringen müssen die Räume der Kindertagespflege komplett rauchfrei sein.

Das Land NRW hält das offenbar nicht für notwendig: „Die Belastung durch Passivrauchen im Freien ist deutlich geringer als in geschlossenen Räumen. (...) Probleme mit dem Rauchen auf Kinderspielplätzen (...) sind an das Gesundheitsministerium bisher nicht herangetragen worden“, lautete die Antwort der Landesregierung auf eine Anfrage der Grünen. Anders als in Bayern, dem Saarland oder Brandenburg will das Land kein einheitliches Rauchverbot auf Spielplätzen aussprechen. Es verweist auf das Nichtraucherschutzgesetz. Zudem „geht die Landesregierung davon aus, dass Eltern, Erzieher und auch Tagesmütter sich den Gefahren des Passivrauchens und ihrer Verantwortung (...) bewusst sind“.

Kinder sammeln Kippen auf

In NRW gilt zudem anders als in mehreren anderen Bundesländern laut einer Studie des Kinderhilfswerks das Rauchverbot in Kindertagesstätten und Schulen nur im „Zusammenhang mit einrichtungsbezogenen Veranstaltungen“. In Räumen, die von Tagesmüttern genutzt werden, ist das Rauchen ebenfalls nicht komplett verboten. „Äußerst bedenklich“ nennen das die Autoren der Studie zum Thema „Nichtraucherschutz für Kinder und Jugendliche in Deutschland“.
Aus der Studie geht hervor, dass „Beobachtungen auf Kinderspielplätzen zeigen, dass Kleinkinder weggeworfene Zigarettenstummel aufsammeln, in den Mund stecken und verschlucken“. Zigarettenstummel stellen laut Studie für die Kinder eine gesundheitliche Gefährdung dar.

In Berlin seien auf einem Spielplatz innerhalb von vier Wochen 7000 Kippen gefunden worden. Die Bonner Giftzentrale zählte im vergangenen Jahr 415 Anrufe, bei denen es um das Verschlucken von Zigaretten bei Säuglingen und Kleinkindern ging. Laut Ärztin Carola Seidel waren davon 346 ohne Symptome, 58 mit leichten Symptomen wie Erbrechen, Durchfall und Schwitzigkeit. Seidel: „Das, was man landläufig von der ersten Zigarette kennt.“

Rauchverbot in Rheurdt

Als eine der wenigen Kommunen in NRW hat die Landgemeinde Rheurdt im Kreis Kleve ein Rauchverbot auf den kommunalen Spielplätzen beschlossen. Seit 10. Februar 2009 ist laut „ordnungsbehördlicher Verordnung“ das Rauchen auf zwölf Kinderspielplätzen untersagt. „Uns hat gestört, dass der Sand so stark von Kippen und Scherben verunreinigt war“, sagt Bürgermeister Klaus Kleinenkuhnen (für die CDU im Amt). Das sei nun deutlich weniger geworden. „Die soziale Kontrolle funktioniert gut, Eltern weisen einander auf das Verbot hin.“ Zudem kontrolliere der Ordnungsdienst die Spielplätze. Wer sich nicht an das Verbot halte, dem drohe ein Bußgeld in Höhe von 25 bis 30 Euro.
„Für Eltern muss es eine klare Orientierung geben“, fordert Friedhelm Güthoff, Geschäftsführer des Kinderschutzbundes Landesverband NRW. „Das funktioniert nicht allein über Verbote. Wir müssen zudem Initiativen ergreifen, die Einsicht wecken.“ Eine einheitliche Botschaft sei wichtig, diese dürfe nicht von „Stadt zu Stadt und Bundesland zu Bundesland unterschiedlich sein“.
In Städten mit Spielplatzpaten – wie Düsseldorf, Köln oder Mettmann – ist die „Bereitschaft größer“, mit Rauchern zu sprechen und über Gefahren aufzuklären, sagt Güthoff. „Es ist ein Thema, das uns tagtäglich begegnet“, bestätigt Nicola Hengst-Gohlke, Sprecherin der Spielplatzpaten in Mettmann. „Zigaretten gehören nicht auf den Spielplatz oder in die Nähe von Kindern“, sagt die Mutter eines dreijährigen Sohnes. Regine Schwarzhoff, Vorsitzende des Elternvereins NRW, findet deutliche Worte: „Die aktuelle Regelung ist schizophren.

Quelle: RP

 
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