Neukirchen-Vluyn: Tattoo-Welt zu Gast in Vluyn
VON CHRISTIAN SCHWERDTFEGER - zuletzt aktualisiert: 26.07.2008Neukirchen-Vluyn (RPO). In der Vluyner Kulturhalle findet noch bis morgen ein internationaler Workshop für Tätowierer und Piercer statt. 250 Interessierte aus der ganzen Welt sind dafür nach Neukirchen-Vluyn gereist. In Kursen bilden sie sich weiter.
Auf den Armen ist kaum noch ein Stückchen frei. Auf dem Oberkörper findet sich ebenfalls kaum noch eine Stelle, die nicht tätowiert ist – für den Laien zumindest. Die kurze Hose des jungen Briten lässt andeuten, dass seine Beine ebenfalls komplett künstlerisch mit der Nadel verziert worden sind. Simon meint aber, da seien noch genug freie Flecke für neue Motive – er muss es wissen. Simon ist Tätowierer und zurzeit Gast in der ehemaligen Bergbaustadt.
Grund für seinen Sprung über den Kanal ist ein dreitägiger Workshop für Tätowierer, der seit gestern in der Vluyner Kulturhalle abgehalten wird. Aus fast allen Teilen des Erdballs sind Tätowierer, Mediziner, Künstler und Dozenten angereist. Amerikaner, Briten, Italiener, Finnen, Schweizer – die Welt ist zu Gast in Neukirchen-Vluyn. Insgesamt 250 Teilnehmer nehmen an dem Kongress teil – ganz zur Freude der ortsansässigen Hoteliers.
Internationale Fortbildung
Organisiert ist der Fachkongress vom gemeinnützigen Verein BMXnet, der sich für den Verbraucherschutz und die Aufklärung in der Tattoo- und Piercingszene einsetzt. Der Workshop ist eine internationale Fortbildungsveranstaltung für Piercer und Tätowierer. Informiert wird über den aktuellen Stand der Technik, über Hygienevorschriften und rechtliche Grundlagen.
Die Kursusgebühr beträgt rund 100 Euro. Zudem gibt es eine Verkaufsmeile, auf der alles rund um das Thema angeboten wird. Für das Wochenende gibt es eine Art Stundenplan, auf dem die einzelnen Kurse aufgelistet sind. „Das ist wie an der Uni. Die Teilnehmer können sich das aussuchen, was sie interessiert“, erklärt Mitorganisatorin Stefanie Rihm. Los gehts immer nach dem gemeinsamen Frühstück um 10.30 Uhr.
Dann können die Teilnehmer unter anderem zwischen den Kursen Instrumentenkunde, Tätowierfarben-Technologie, Tattoo-Entfernung, ungewollte Piercing-Narben oder der Geschichte des Piercings wählen und ihren individuellen Stundenplan gestalten. „Das Interesse zur Fortbildung ist in der Szene enorm. Alle wollen dazulernen und sich weiterentwickeln“, erklärt Rihm. Auf den Gängen, dem Foyer und vor der Kulturhalle tummeln sich die meist schwarzgekleideten Tattoo- und Piercing-Experten.
Dabei müssen sich sich den ein oder anderen skeptischen und fragenden Blick der Passanten gefallen lassen. „Auch wenn sie mit ihren gepircten Gesichtern und bestochenen Körpern für viele unheimlich erscheinen mögen, alle sind friedliche und nette Menschen“, sagt die Mitorganisatorin, die sich mit ihrem Verein auch gegen die gesellschaftliche Ächtung von Tatowierten und Gepiercten einsetzt: „Es kann nicht sein, dass die Szene in der Öffentlichkeit immer noch diskriminiert wird.“
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