Moers: Theatertage im Dschungel
VON ANJA KATZKE - zuletzt aktualisiert: 05.11.2007Moers (RPO). Die Szene- und Kulturkneipe Dschungel in Scherpenberg feiert Geburtstag: 2008 wird der Dschungel mit seiner beliebten Kleinkunstbühne 25 Jahre alt. Die beiden Inhaber sind Jona Klein und Peter Eick. Ihr Fazit: Die freie Kulturarbeit hat sich in dieser Zeit stark verändert.
Auf Trends haben Jona Klein und Peter Eick nie geschielt: „Wir wollen keine Modekneipe sein“, betont Eick. Im Februar 1983 eröffnete er gemeinsam mit Jona Klein die Szenekneipe Dschungel in Scherpenberg. Im kommenden Jahr wollen sie gemeinsam den 25. Geburtstag feiern – mit viel Kleinkunst, Musik und den Gästen. Um so größer war der Schrecken, als die Kleinkunst-Bühne der Szenekneipe ihren wichtigsten Sponsor verlor.
Da hatte Jona Klein, Mitinhaber des Dschungel und künstlerischer Leiter, schon namhafte Künstler für das Jubiläumsjahr engagiert: Hennes Bender, Jochen Malmsheimer, Anne Haigis, Paddy goes to Holyhead, Kai Magnus Sting, Thomas Nicolai, Barbara Ruscher, Fritz Eckenga und Lioba Albus. Jona Klein startete einen Hilferuf. Und der hat gewirkt: „Wir sind mit einigen Sponsoren ins Gespräch gekommen. Es sieht ganz gut aus, dass ich meine Idee für 2008 realisieren kann.“
Ein Kinderspiel
Jona Klein und Peter Eick haben sich selbst in einer Kneipe kennengelernt: „Aus einer Kneipenbekanntschaft wurde Freundschaft. Heute sind wir Geschäftspartner“, erzählt Eick. „Wir sind viel in den Kneipen am Niederrhein und im Ruhrgebiet ’rumgekommen. Irgendwann entstand die Idee, selbst eine Kneipe aufzumachen, die sich von den bekannten Mustern abhebt.“ Bis der Dschungel in Scherpenberg gefunden war, ging jedoch eine Weile ins Land. „Wir haben ein halbes Jahr nach geeigneten Räumlichkeiten gesucht“, erzählt Klein und erinnert sich daran, wie sie auf Dschungel gekommen sind: „Das ist wie bei Kindern, da überlegt man ja auch hin und her.“ Und Peter Eick fügt hinzu: „Viele Kneipen nannten sich damals Zur Kanne oder Fässchen. Das war nichts für uns.“ Als der Dschungel am 11. Februar 1983 eröffnet wurde, sei er von den Gästen sofort angenommen worden: „Das war ein Kinderspiel. Da war die Bude jeden Tag voll“, erzählt Peter Eick. Heute sind 75 Prozent der Besucher Stammgäste. Es kommen aber stets auch neue Gäste hinzu. Das liegt auch am Kulturprogramm. Die beiden Dschungel-Inhaber haben sich die Aufgaben geteilt. Peter Eick führt die Geschäfte und organisiert die Dschungel-Party. Zum Jubiläum am 16. Februar spielt er mit seiner Coverband „Get ready“. Jona Klein kümmert sich um die Kultur. Die Missfits seien die ersten gewesen, die 1984 in Scherpenberg aufgetreten seien: „Damals waren sie noch zu fünft. Heute treten sie gar nicht mehr gemeinsam auf“, erzählt Jona Klein.
Piet Klocke, Helge Schneider und Herbert Knebel traten auf. Klein schätzt, dass er rund 1000 Veranstaltungen im Dschungel realisiert hat. Die freie Kulturarbeit habe sich im Laufe der mehr als zwei Jahrzehnte verändert: „Sie ist schwieriger geworden.“ Mit jedem Programm gehe man ein Risiko ein. Deshalb ist Jona Klein über jeden Sponsor froh, der die Kleinkunst im Dschungel unterstützen will. „Man zahlt ja nicht nur die Gagen.“ Hinzu kämen Kosten beispielsweise für die Gema und Hotelübernachtungen. „Mit 70 Plätzen kann man über den Eintritt nicht viel machen.“ Und wer freie Kultur macht, habe schließlich ein Konzept: Klein will nicht nur die bekannten Kabarettisten nach Moers holen. „Mir geht es um Experimente.“ Zum Jubiläum will er die Scherpenberger Theatertage wieder aufleben lassen, die 1987 zum letzten Mal stattfanden.
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