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Moers: „Todestourismus“ boomt

VON CHRISTIAN SCHROEDER - zuletzt aktualisiert: 11.12.2007

Moers (RPO). Venlo liegt im Trend: Immer mehr Menschen vom Niederrhein lassen sich dort nach ihrem Tod einäschern. Das ist kostengünstig für die Hinterbliebenen. Moers will das Abwandern stoppen und Friedhofsgebühren stabil halten.

Immer mehr Menschen vom Niederrhein lassen sich in Venlo nach ihrem Tod einäschern.  Foto: RPO
Immer mehr Menschen vom Niederrhein lassen sich in Venlo nach ihrem Tod einäschern. Foto: RPO

Hilde Grell* hätte ihren Mann auch in Moers beerdigt. „Aber es war sein Wunsch, sich in Venlo einäschern zu lassen“, sagt die Seniorin. „Und zwar hat er sich zu Lebzeiten diese Variante ausgesucht, damit ich Geld spare. Er hat nicht an sich gedacht, nur an mich.“ Sie kam dem Wunsch ihres Gatten selbstverständlich nach. Auch wenn der Verstorbene vor seinem Tod nicht ausdrücklich die Bestattungsform gewünscht hat, entscheiden immer häufiger auch die Hinterbliebenen für den Verstorbenen: weg aus Moers! Dieser „Todestourismus“ liegt im Trend und zeigt sich in vielen Städten mit überdurchschnittlich hohen Friedhofsgebühren.

Bestattungen rückläufig

Die Anzahl der Sterbefälle hat sich in den Jahren 2004 bis 2006 kaum geändert. Es sind etwa 1100 pro Jahr. Die Bestattungen sind hingegen rückläufig, von 1128 in 2004 auf 1006 in 2006. Die Stadt versucht, diesem Trend entgegenzuwirken und will die Friedhofsgebühren konstant halten, zumindest erst einmal bis zum 30. Juni 2008. Die Verwaltung erarbeitet nun eine neue Vorlage. Eine veränderte Gebührenordnung könnte zum 1. Juli 2008 in Kraft treten.

Dass viele Gemeinden die Friedhofsgebühren erhöhen müssen, hat auch einen Grund: Immer mehr Bürger gehen auch zu neuen, günstigeren Bestattungsarten über, zum Beispiel zum Wiesengrab für Urnen. Die tatsächlichen Kosten stimmen mit den Planungen nicht mehr überein, die Einnahmen sinken. „Die Verwaltung prüft nun, ob und wie ein Anstieg der Gebühren für das komplette Jahr 2008 und eventuell darüber hinaus verhindert werden kann“, teilt die Stadt Moers mit.

Derzeit kostet ein normales Reihengrab 1711 Euro. Mit den zusätzlichen Kosten wie Beerdigung, Grabstein und Feier kommen schnell 5000 Euro zusammen. Eine Urneneinzelgrabstelle in Moers kostet etwa 844 Euro. Aber kein Bürger ist gezwungen, sich in der Stadt beerdigen zu lassen, in der er bis zu seinem Tod gelebt hat. Ein Moerser kann sich auch in Duisburg zur Ruhe betten lassen, doch finanziell lohnt sich das nicht: Das gängige Erdreihengrab kostet 2126 Euro, das anonyme Urnengrab ungewöhnlich teure 1701 Euro. In der anderen Nachbargroßstadt Krefeld ist es schon etwas günstiger: Das Reihengrab kostet 898 bis 1349 Euro, das Urnengrab 864 Euro. Noch günstiger ist es jenseits der niederländischen Grenze. Knapp über 400 Euro kostet es, sich in Venlo einäschern und auf einem Trauerfeld verstreuen zu lassen.

* Name geändert

Quelle: RP

 
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