Kamp-Lintfort: Trainieren für die Paralympics
VON SABINE HANNEMANN - zuletzt aktualisiert: 29.07.2010Kamp-Lintfort (RPO). Das Ziel ist für Bianca Osterer klar gesteckt: Paralympics 2012 in London. Die 24-jährige Rollstuhlsportlerin ist seit Juli im Nationalkader der Damen-Mannschaft. Jetzt erhielt sie einen passgenauen Sportrollstuhl.
Lang erwartet und heiß ersehnt. Als der neue limonengrüne Sportrollstuhl endlich vor der Kamp-Lintforterin Bianca Osterer (24) steht, huscht ein kleines, glückliches Lächeln über ihr Gesicht. Sie ist ihrem Ziel ein gutes Stück näher gekommen. "Tennis, das ist ihr Leben und ihr Sport", meint dazu ihre Mutter Ursula.
Bianca Osterer hat Talent und gesunden sportlichen Ehrgeiz, sie will als Tennisspielerin an den Paralympics 2012 in London teilnehmen. "Das Zeug dazu hat sie, wie auch den nötigen Biss", meint Paul Sallach, ihr Tennistrainer beim SV Alemannia Kamp. "Bianca hat schon als Kind sehr gut Tennis gespielt." Ihren geliebten Sport konnte sie seit einigen Jahren allerdings nicht mehr ausüben.
Seit fünf Jahren im Rollstuhl
Als Auszubildende im dritten Jahr erlitt die angehende Altenpflegerin einen Unfall. Mehrfach musste sie am Knie operiert werden. Heute leidet sie unter einem komplexen Schmerzsyndrom und kann nicht mehr laufen. Ihre Beine sind nach einer Operation mit Komplikationen seit 2005 gelähmt. Seither ist sie auf den Rollstuhl angewiesen. Bianca erlebte eine schlimme Zeit, denn zu allem kam die Berufsunfähigkeit. Die 24-Jährige hat sich jedoch von ihrem Schicksal nicht unterkriegen lassen und die Zügel in die Hand genommen. Eine E-Mail schrieb sie im letzten Jahr an Christoph Müller, Bundestrainer im Deutschen Rollstuhl-Tennis-Verband (DRT). Der handelte kurzentschlossen und nach entsprechenden Trainingseinheiten bestimmte der Tennissport Biancas Leben.
Im Mai, nach nur fünf Trainingsmonaten Rollstuhltennis, nahm sie an den 23. Nationalen Deutschen Rollstuhl-Meisterschaften teil und holte den Titel in der Einsteigerklasse. Anfang Juli wurde sie in den Kader der Nationalmannschaft berufen. Sieben Turniere muss sie in zwölf Monaten bestreiten, zwei hat sie bereits geschafft. In der internationalen Liste steht sie bereits an 124. Stelle. "Bianca hat uns im letzten Jahr in einer E-Mail um Unterstützung gegeben", erzählt Jenny Devries, Vertriebsleiterin vom VitalCentrum Hodey im Kamp-Lintforter Gewerbegebiet, wo Bianca mit Hilfsmitteln betreut wird.
"Bianca war sehr bescheiden, als sie uns um Hilfe bat. Wir haben einfach alle Hebel in Bewegung gesetzt und Kontakt mit den Herstellern von Sportrollstühlen aufgenommen", meint Devries. Im Januar kam bereits die Zusage von SunriseMedical. "Nach den persönlichen Maßen von Bianca wurde der Rollstuhl in Amerika gebaut", erzählt Thomas Köppe, Mitarbeiter von SunriseMedical. So verfügt der Rollstuhl durch seine spezielle Bauweise mit großen schräggestellten Rädern und Auslegern über hohe Drehfreudigkeit und Kippstabilität.
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