Moers: Unterirdischer Humor im Pumpenhaus
VON SABINE HANNEMANN - zuletzt aktualisiert: 20.10.2008Moers (RPO). Dreieinhalb Stunden mit Comedian Kay Ray im übervollen Pumpenhaus. Früher nach Hause ging nur der, der den Babysitter nicht weiter strapazieren konnte. Showtime mit Mammutprogramm bis kurz vor Mitternacht war angesagt, die Kay Ray mit Tim Hellmers, dem Mann am Klavier, leistete.
Der Mann aus Münster mit den bunten Haaren, dem blau geschminktem Mund wie auch Augen hat bereits etwas von einer Diva, ein bisschen etwas von Dame Edna, die einfach und problemlos um eine Viertelstunde später ihren Auftritt startet. In Moers hat Kay Ray schon eine funktionierende Fangemeinde. Dem Comedy Salon sei Dank. Standing Ovations zum Schluss, das war der Lohn aus der Menge.
Seit 1996 tourt der Friseur aus Osnabrück, Jahrgang 1965, mit seinen Soloprogrammen durch die bunte Welt, provoziert mit allem, was das Leben bietet. Harte Wahrheiten im anderen Blickwinkel, sei es Sylt, Amerika, Genmais, die Kirche, der Islam, Moshammers Beerdigung oder seine über die Zwänge des Lebens erhabene Oma.
Verbal lauert er dabei Heteros, Tunten, Schwulen und Lesben auf. Er polarisiert, zielt unter die Gürtellinie. „Unterirdischer Humor“, meint zu seinen Gästen, die er manchmal Gänse nennt. Sein Outfit ist bunt wie sein Make-up. Er plaudert mit dem Publikum, erzählt, stänkert, ist ordinär, zotig bis böse und zickig, charmant, intelligent bis platt und raucht auf der Bühne. Was er nicht mag, sagt er seinem Publikum gerne und wiederholt.
„Ich bin gar nicht so ein skurriler und schriller Paradiesvogel. Es ist das Leben.“ Andere nennen ihn androgynen Edelpunk. Das ist die eine Seite seines Programms, das in vielerlei Hinsicht gut von der Improvisation leben kann. Auf der anderen Seite steht der Sänger Kay Ray mit seiner Singstimme. Ohne Playback sind Milva oder Kate Bush präsent. Aus zwei Liederbüchern singt er auf Zuruf Bekanntes, alte wie aktuelle Songs aus den Charts. Dreieinhalb Stunden sind im Flug vorbei.
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