Moers: Unverstandener Waffennarr
VON STEPHAN MÜNDGES - zuletzt aktualisiert: 26.03.2007Moers (RPO). Am Samstag feierte das Theaterstück „Amok – Tatort Schule“ von Hauke Grewe Premiere beim TiM-Theater in der Aula der Geschwister-Scholl-Gesamtschule. Anschließend lebhafte Diskussion.
Das TiM
Seit 1979 gibt es bereits das Kinder- und Jugendtheater TiM. Gegründet wurde es 1979 von Karin Derks. Seitdem steht die Arbeit des TiMs unter dem Motto „Wer nichts tut, darf sich über Missstände nicht beschwerden“. Sechs Produktionen stellen die vier Ensembles jährlich auf die Beine.
Bewusstlos liegt die Lehrerin am Boden. Über ihr steht ganz in schwarz gekleidet und mit einer Strumpfmaske vermummt der 19-jährige Sven Schacht. Er spricht zu einer Videokamera. Er diktiert seinen Abschiedsbrief.
Die erste Szene der Tragikomödie „Amok – Tatort Schule“, die das B-Ensemble des Jugendtheaters TiM aufführte, schockiert. In acht weiteren Szenen wird gezeigt, was den Außenseiter Sven Schacht (gespielt von Julian Keimer) zum Amokläufer machte: Probleme in der Schule, die Versetzung steht auf dem Spiel. Seine Lehrerin, Frau Schmidt (Julia Franke), will ihm zwar helfen, kommt aber nicht an den Einzelgänger heran. Auch Svens einzige Freundin Silvia (Charlotte Rautenberg) versteht ihn nicht. „Du lebst auf einem anderen Planeten“, sagt sie. Der Waffennarr und Computerfreak Sven hingegen ist davon überzeugt, dass die Gesellschaft gegen ihn ist. „Ich sehe nur Egoismus, Selbstverherrlichung und Ignoranz.“
Offen und modern
Auch das Verhältnis zwischen Sven und seiner scheinbar fürsorglichen Mutter (gespielt von Nora Schroers) ist zerrüttet. Sie gibt sich offen und modern, hört ihrem Sohn aber nicht richtig zu und belastet ihn dazu noch mit ihren Sorgen. Als Sven schließlich noch hört, wie Mirja (Sinah Hoffmann), in die er verliebt ist, über ihn herzieht, dreht er durch.
Das Stück, geschrieben vom Schauspieler Hauke Grewe, verzichtet trotz des ernsten Themas nicht auf Humor. Wenn Svens Mutter beispielsweise vor ihm über Masturbation sinniert, ist das grotesk, und das Publikum lacht, aber es zeigt gleichzeitig die bizarre Offenherzigkeit der Mutter.
Im Anschluss an das Stück diskutierte das Publikum noch mit Regisseurin Karin Derks, den Darstellern und der Theaterpädagogin Sonja Blattmann über das Stück. Dabei erklärte Derks, das Stück wolle zeigen, was einen Amokläufer antreibt: „Computer sind nicht die einzige Antriebsfeder.“ Verschiedene Faktoren kämen im Falle von Sven zusammen. „Er macht keine positiven Erfahrungen. Das funktioniert nach dem Motto ‚Steter Tropfen höhlt den Stein‘.“ Irgendwann könne Sven einfach kein Vertrauen zu anderen mehr aufbauen.
„Sehr aufregend“ fand Hauptdarsteller Julian Keimer seine Rolle als Amokläufer. Die Situation aus der Perspektive eines Amokläufers zu betrachten und wie er zu empfinden, sei besonders interessant gewesen.
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