Moers: Verstimmung zur Tanzstunde
VON HERIBERT BRINKMANN - zuletzt aktualisiert: 05.03.2007Moers (RPO). Im Kulturzentrum Rheinkamp feierte der Ausländerbeirat am Samstag sein 25-jähriges Bestehen. Die CDU ist erbost und spricht von einer „reinen SPD-Wahlkampfveranstaltung“
Für morgen Abend hat Bürgermeister Norbert Ballhaus einen kleinen Kreis ins Rathaus eingeladen. Die Spitze des Ausländerbeirates soll zusammen mit den Vertretern der Fraktionen und der Verwaltung nach einem Ausweg aus der Krise finden. Es geht immer noch um die Richtlinien zur Förderung integrativer Maßnahmen. Die Mehrheit im Stadtrat verschob die strittige Entscheidung auf Ende März, um den Frieden für die 25-Jahr-Feier des Ausländerbeirates nicht zu gefährden.
Am Samstag ist die Feier – mit allen Beteiligten – über die Bühne gegangen, doch der Friede ist dahin. Nach diesem Samstag wird es morgen noch schwieriger, einen gemeinsamen politischen Konsens zu finden. Die CDU-Fraktionsvorsitzende Petra Rennicke war kurz davor, mit ihren Parteifreunden die Veranstaltung vorzeitig zu verlassen. Der Vorwurf geht weniger an den Ausländerbeirat als an die Stadtspitze, die eingeladen hatte. Die Gäste der CDU langweilte es, einer „reinen SPD-Veranstaltung“ beiwohnen zu müssen. Petra Rennicke fand es menschlich überhaupt nicht in Ordnung, nur Erika Scholten als Geburtshelferin des Ausländerbeirates zu feiern und den CDU-Sozialexperten Norbert Boums oder das Engagement von Dr. Bernhard Schmidt nicht zu würdigen. Auch FBG-Chef Claus Peter Küster feixte: „Schöne Tänze heute Abend.“
Der Ursprung
Der Rat beschloss am 22. April 1980 die Bildung eines Ausländerbeirates. Dem ersten gehörten jeweils ein Jugoslawe, Italiener, Österreicher, Spanier, Niederländer, drei Türken und ein Vertreter vom IKM an. Seit der Urwahl ab 1991 wurden nur türkische Vertreter für fünf Jahre in den Beirat gewählt.
Kritische Freunde
Christoph Melzer, der seit 15 Jahren beratend dem Beirat angehört, wurde für die Grünen deutlicher: Es dürfe auch kritische Freunde geben. Die Ampel müsse sich jetzt zwischen Gewissen und Genossen entscheiden. Anstoß nahmen die Gäste an der kleinen Diskussionsrunde, an der Bürgermeister Norbert Ballhaus (SPD), Vorsitzender Cemil Mayadali, Beigeordneter Hans-Gerd Rötters (SPD), stellvertretende Bürgermeisterin Erika Scholten (SPD), Siggi Ehrmann MdB (SPD) und Tayfun Keltek von der Landesarbeitsgruppe Ausländerbeiräte teilnahmen.
„Reibung erzeugt Wärme“
Die Meinungsverschiedenheiten hatte Bürgermeister Norbert Ballhaus anfangs mit der Bemerkung, „Reibung erzeugt Wärme“ weggedrückt. Cemil Mayadali zog als Vorsitzender des Ausländerbeirates eine positive Bilanz. Die Interessen der Ausländer ließen sich nicht von denen der Moerser auseinanderdividieren. Hassan Nesrin und Sait Olgun brachten es auf den Punkt: „Man ist da zu Hause, wo man seine Toten begräbt.“ Auf dem muslimischen Teil des Hauptfriedhofes wurden bereits 15 Verstorbene bestattet: „Eine noch größere Botschaft, dass die Migranten ihr Zuhause hier in unserer Stadt sehen, kann es wohl nicht geben.“ Das vorzügliche Buffet vom Düsseldorfer Restaurant „Schwarzes Meer“ passte zu den kaukasischen Tänzen der türkischen Tanzgruppe Ditib. Zwei weitere Tanzgruppen sorgten mit Flamenco und Stepptanz für spanische und irische Farbtupfen. Der Abend im nicht voll besetzten Kulturzentrum Rheinkamp klang mit orientalischen Klängen von Saz, Gitarre und Trommel, interpretiert von Musikern aus Bochum, wohltemperiert aus.
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