Kamp-Lintfort: Verwalter lässt Senioren frieren
VON CHRISTIAN SCHROEDER UND CHRISTIAN SCHWERDTFEGER - zuletzt aktualisiert: 12.01.2009Kamp-Lintfort (RPO). Seit drei Wochen warten die überwiegend betagten Bewohner eines Hochhauses in Kamp-Lintfort darauf, dass die Heizung repariert wird. Die Mieter klagen, die zuständige Düsseldorfer Hausverwaltung würde nicht reagieren.
Helene Eckholz hat ihren Wohnzimmersessel in die Küche gerückt. Dort sitzt die 95-Jährige dann den ganzen Tag über, bis sie sich abends ins Bett kuschelt. „Ich kann es nur in der Küche aushalten, denn nur dort funktioniert die Heizung“, sagt die alte Dame.
Der alte Rippen-Heizkörper in der Wohnstube: eiskalt! Elf Grad hat sie am Freitag in ihrer Wohnung im sechsten Stock gemessen. „Da bin ich dann runter zum Markt und habe mir erstmal warme Wollsachen gekauft.“
Mit Wollmütze in der Wohnung
Auch Nachbarin Olga Lanks läuft in ihrer Wohnung mit Strickjacke und Wollmütze herum. „Seit über drei Wochen warten wir darauf, dass die Heizung repariert wird“, erzählt die Deutschrussin. Nachbarin Irene Michalski läuft nur noch mit dicken Moonboots an den Füßen durch ihr Reich. Und Emmi Bresnik hat Glück, dass ihr Enkel Oliver Bresnik sich um sie kümmert. Der Feuerwehrmann hat seiner 93-jährigen Oma einen Heizlüfter in die Wohnung gestellt.
Mieterschutz
Der Vorsitzende von Haus und Grund (Verein der Haus- und Grundeigentümer) Duisburg, Georg Jachmich, rät Mietern in ähnlichen Situationen, die Miete nicht zu bezahlen. „Wer seine Miete schon bezahlt hat, kann diese zurückfordern.“ Zudem sollten die Mieter beim zuständigen Amtsgericht eine einstweilige Verfügung gegen den Eigentümer erwirken. Es bestehe auch die Möglichkeit, die Heizung selbst reparieren zu lassen. Die Kosten könnten dann beim Eigentümer zurückgeholt werden.
Wo bleibt das Ersatzteil?
Die alten Frauen leben in der Wilhelmstraße 28 in Kamp-Lintfort. Das sechsstöckige Hochhaus mit 42 Mietparteien wird vorrangig von Senioren bewohnt. Es hat in den vergangenen Jahren mehrfach den Besitzer gewechselt. Jetzt ist eine Düsseldorfer Wohnungsverwaltung zuständig. „Ich habe oft dort angerufen und gesagt, dass die Heizungen nicht richtig funktionieren, wurde aber immer nur vertröstet“, sagt Oliver Bresnik. Angeblich sei ein Wärmetauscher kaputt, hieß es.
Keiner im Haus weiß, was wirklich defekt ist: Manche Heizkörper sind ganz „tot“, andere funktionieren minimal. Das Ersatzteil sollte schon längst eingebaut worden sein. „Seit drei Wochen warten wir.“ Selbstverständlich hat der Feuerwehrmann auch die vor Ort zuständigen Hausmeister angesprochen. „Die sagen aber, dass sie selbstständig keine Reparaturaufträge vergeben dürften, sondern alles mit der Hausverwaltung in Düsseldorf absprechen müssen.“
In seiner Sorge um die Großmutter hat Oliver Bresnik bereits an den Kamp-Lintforter Bürgermeister Dr. Christoph Landscheidt geschrieben. „Das Haus ist in Privatbesitz. Dennoch werden wir uns am Montag sofort mit der Hausverwaltung in Verbindung setzen“, versprach das Stadtoberhaupt gestern gegenüber dem Grafschafter. Es wird Zeit. Emmi Bresnik ist mittlerweile erkältet. Ohne ihren Enkel käme sie nicht zurecht. „Er achtet darauf, dass ich warm angezogen bin“, sagt die 93-jährige, stark sehbehinderte Frau.
Kürzlich musste sie eine Stunde unten vor der Haustür warten, weil die Eingangsbeleuchtung kaputt war und sie das Schlüsselloch nicht finden konnte. Erst nach einer Stunde schloss ihr ein Nachbar die Haustür auf. „Dass hier kaum etwas repariert wird, daran haben wir uns ja gewöhnt“, sagt Irene Michalski. „Aber wir möchten bei diesen kalten Temperaturen endlich mal wieder richtig heizen können.“
Die zuständige Düsseldorfer Hausverwaltung war am Wochenende trotz mehrfacher Versuche für den Grafschafter nicht erreichbar.
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