Neukirchen Vluyn: Vlü-KA-GE weckte den Hoppeditz
VON JUTTA LANGHOFF - zuletzt aktualisiert: 13.11.2006Neukirchen Vluyn (RPO). Kalt war‘s und nass, und überhaupt recht ungemütlich, als am Samstag pünktlich um elf Uhr elf der Hoppeditz der Neukirchen-Vlü-KA-GE die Augen aufschlug und damit endlich der freudlos-öden, karnevalsfreien Zeit ein Ende setzte. Auf diesen Moment hatten die rund 150 Neukirchen-Vluyner Jecken, die sich trotz Regen, Wind und Kälte an diesem Vormittag auf dem Leineweberplatz versammelt hatten, neun lange Monate gewartet.
„Wie weckt man denn einen Hoppeditz?“ war sich Vereinspräsident Dieter Rink zunächst in seiner Begrüßungsrede noch unsicher gewesen, ob er den wie tot wirkenden Narrenclown mit der roten Nase nun höchst persönlich wach küssen sollte, oder ob er diese heikle Aufgabe lieber einer der hübschen Gardetänzerinnen übertragen sollte, die mit ihm auf der Bühne standen. „Ach nee“, entschied er schließlich: „Wenn ich jetzt eine darum bitte, sind die anderen vielleicht traurig, Ich denke, wir machen das am besten alle zusammen mit einem dreifach kräftigen Helau.“ „Helau! Helau! Helau!“, erschallte es darauf hin so laut und mit vereinter Kraft über den Leineweberplatz, dass man damit mindestens zehn Hoppeditze gleichzeitig hätte erwecken können.
Und so blieb André Schellen, der männlichen Hälfte des derzeitigen Stadtgarde- Tanzpaares der Neukirchen-Vlü-KA-GE, nichts anderes übrig als gehorsam seine Augenlider zu heben. „Mal sehen, was sich in den neun Monaten, die ich geschlafen habe, hier so alles verändert hat“, ließ er noch etwas verschlafen den Blick über seine Anhängerschaft schweifen. Das Ergebnis schien ihn zufrieden zu stellen, doch einige örtliche Ereignisse waren ihm trotz seines Tiefschlafs dennoch nicht entgangen. „Jede Menge Insolvenzen, und die Geschäfte stehen leer“, stellte er mit ernster Miene fest, und auch über die bürgerfreundliche Baumentfernung auf dem Vluyner Platz und die überraschenden Aktivitäten der heimischen Polizei gegen das eiskalte, organisierte Verbrechen wusste er bestens Bescheid. Selbst vom bundesweiten Gammelfleischskandal und den weltweiten, heiligen Kriegsdrohungen islamischer Fanatiker hatte er im Schlaf erfahren und daraus eine mahnende Rede in Versform gemacht. Am Ende siegten jedoch – wie es sich für einen echten Hoppeditz gehört – die Fröhlichkeit und das Versprechen, in den nächsten Wochen an allem zu sparen, nur nicht am Humor.
Das gefiel den frierenden Karnevalisten auf dem Leineweberplatz. „Und wenn dat Trömmelsche jeht, dann ston wa all parat“, sangen und schunkelten sie erst mal kräftig ein Ründchen unter ihren Schirmen, bevor ihnen Dieter Rink das Prinzenpaar der diesjährigen Session, Thomas und Melanie Schade sowie deren Hofstaat vorstellte. Für den weiteren karnevalistischen Verlauf sorgten dann neben Stimmungssängerin Angelika Siegel und den vereinseigenen Tanzgarden laut Ankündigung auch die beliebte Stimmungsband „de Oedingsche Jonges“.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum




