Moers: Vom Wachsen und Ernten
VON HERIBERT BRINKMANN - zuletzt aktualisiert: 17.11.2007Moers (RPO). Auf der leeren Bühne stehen ein paar Pflanzkübel, eine Schubkarre und eine Vogelscheuche. Mit ein wenig Blumenerde und Papierfächern wird im Laufe von 50 Minuten ein prächtiger Garten daraus. Sogar ein echtes Feuer gibt es auf der Bühne – und am Ende deckt ein weißes Tuch wie Schnee alles zu. Mit viel Poesie erzählt der britische Autor Mike Kenny die Geschichte eines kleinen Jungens und seines Großonkels. Beide haben das Gefühl, im Haus der Großmutter zu stören. Denn Joe hat ein Schwesterchen bekommen, und Harry ist so vergesslich geworden. Nur im Garten, da ist er der Alte, da zeigt er seinem kleinen Lehrling die ewige Geschichte von Säen und Ernten, von Werden, Wachsen und Vergehen.
Mit ganz wenig Requisiten war das Rheinische Landestheater Neuss gestern zum Gastspiel in die Aula der Geschwister-Scholl-Gesamtschule gekommen. Die Inszenierung von Barry Goldman baut ganz auf das Spiel von Peter Liebaug. Dem gelingt es ganz wundervoll, den kleinen Jungen wie den schrulligen Alten zu spielen. Zwei verschiedene Strohhüte, ein Paar Schlappen, zwei Stimmlagen genügen ihm in diesem Solostück, dieses ungleiche Paar aus Alt und Jung kindgerecht zu charakterisieren.
Das Stück ist für Kinder im Kindergartenalter geschrieben. Die Neusser haben mit dem Stück gute Erfahrungen gemacht und in dieser Spielzeit wiederaufgenommen. Bei den Abstechern hat das Rheinische Landestheater gemerkt, dass die Kinder auf dem Lande beim „Gärtner“ eher mitgehen als in der Stadt. Welches Stadtkind kennt noch all die Gemüsesorten, die dort im Garten angepflanzt und geerntet werden? Wer erlebt noch, dass jemand für das Mittagessen Kartoffeln aus dem Garten ausgräbt? Auch hat heute nicht mehr jedes kleine Kind das Glück, mit einem Großvater oder -onkel im Garten oder der Werkstatt zusammenzusein. Sich 50 Minuten lang auf eine Person auf einer eher leeren Bühne zu konzentrieren, verlangt kleinen Zuschauern einiges ab. Sie gewinnen viel, weil das Stück Kindern Mut macht, sie und ihre Wut ernst nimmt und Generationen zusammenführt.
Für fernsehgewohnte Kinder passiert für die Augen zu wenig, das meiste muss übers Ohr aufgenommen werden. Die Moerser Kinder waren – meistens – diszipliniert bei der Sache. Und winke, winke hat Peter Liebaug auch gemacht. Nur seinen Text hat er nicht wiederholt.
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