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Moers: Von der Präsenz des Todes

VON MAIKE KNORRE - zuletzt aktualisiert: 07.02.2012

Moers (RP). Das Schlosstheater macht das Sterben und den Tod zum Thema. Im Rahmen der Projektreihe inszenierte Regisseur Roger Vontobel eine szenische Lesung aus Meike Schneiders Tagebuch "Ich will mein Leben tanzen". Der Dokumentarfilm "Endlich" nimmt das Bestattungswesen unter die Lupe.

Die Schlosstheater-Schauspieler Patrick Dollas, Marieke Kregel und Kinga Prytulla lasen aus Meike Schneiders Tagebuch und aus Annes und Nikolaus Schneiders Buch "Wenn das Leid, das wir tragen, den Weg uns weist".  Foto:  kdi
Die Schlosstheater-Schauspieler Patrick Dollas, Marieke Kregel und Kinga Prytulla lasen aus Meike Schneiders Tagebuch und aus Annes und Nikolaus Schneiders Buch "Wenn das Leid, das wir tragen, den Weg uns weist". Foto: kdi

Was geschieht mit uns nach dem Tod? Durch wessen Hände gehen unsere Körper vom Todeszeitpunkt bis zum endgültigen Verlassen dieser Welt? Und wer hilft den Hinterbliebenen, mit ihrer Trauer umzugehen? "Endlich", ein Dokumentarfilm von den Regisseurinnen Katja Dringenberg und Christiane Voss, gibt einen Einblick in die Zeit nach dem Ableben und zeigt ungesehene Orte einer meist verborgenen und größtenteils unbekannten Welt.

Im Anschluss an die Filmvorstellung trafen sich am Sonntag im Schlosstheater Christiane Voss und Bestatter Karl Schumacher, der von seinen langjährigen Erfahrungen berichten und Fragen des Publikums beantworten konnte. Die Dokumentation ist ein lebendiger Essayfilm über die natürliche Präsenz des Todes im Leben und über Menschen, die sich mit eben dieser Selbstverständlichkeit dem Leichnam annehmen. Der Zuschauer begleitet Todesdienstleister, Tröster und Entsorger und wird mit auf den Weg vom Krematorium bis zur Grabrede genommen.

Über das Bestattungswesen

Dass dieser Beruf vielmehr eine Berufung ist und die Fähigkeit voraussetzt, eine gewisse Distanz zu schaffen, ist allen Mitwirkenden der Dokumentation genauso klar wie die Tatsache, dass der letzte Abschied von einem geliebten Menschen reibungslos und in Würde verlaufen sollte. Wie schwer das ist, zeigt sich unter anderem auf dem Lernfriedhof Münnerstadt, wo angehende Bestatter die richtigen Töne und Bewegungen für eine professionelle Totenfürsorge erlernen.

Info

Die nächsten Termine

Die nächste Veranstaltung im Rahmen der Schlosstheater-Reihe "ÜberGehen" findet am 12. Februar um 11.30 Uhr im Studio am Kastellplatz statt. Dann wird dort der Erlanger Diplom-Pädagoge, Heilpraktiker und Asienexperte Volker Bechert unter dem Titel "Stirb und werde" das "Tibetische Totenbuch" als "Reiseführer" für die Sterbenden vorstellen.

Am Freitag, 24. März, geht es dann im Studio des Schlosstheater ab 19.30 Uhr um "Die Unverletzlichkeit des Sterbens". Es handelt sich um einen Beitrag aus palliativmedizinischer Sicht zum Themenkomplex. Am Donnerstag, 1. März, behandelt die Reihe die "Todesbilder im Islam". Veranstaltungsort ist das Studio, Beginn: 19.30 Uhr. Am Sonntag, 4. März, 11.30 Uhr, Studio, steht eine Zusammenarbeit mit Amnesty International an. Es geht um den staatlich verordneten Tod – die Todesstrafe.

Neben Dienstleistern für die Totenpflege und -Zurechtmachung, Grabrednern und Sargträgern leisten auch moderne Maschinen einen erheblichen Beitrag zum Netzwerk der Totenbehandlung. Im Krematorium Berlin ermöglichen ein internes Transportsystem, Kühlräume und Brennöfen den reibungslosen Ablauf. Über die industrielle Seite hinweg wirft der Film auch einen Blick auf verschiedene religiöse Anschauungsweisen über den Tod und das was danach kommt sowie die Trauerarbeit.

Bei einer Familienaufstellung als Trostszenario für den Umgang mit dem Tod und der eigenen Endlichkeit lernt der Zuschauer den Tod als Anfang nach dem Ende von einer beruhigenden Seite kennen. Im anschließenden Gespräch zeigte sich Christiane Voss sichtlich fasziniert von den Recherchen rund um das Todesthema.

"Selten habe ich eine Branche kennengelernt, in der die Arbeitsgemeinschaft so humorvoll und gut gelaunt ist", begeistert sie sich für den Arbeitsalltag von Bestatter Schumacher, der sich mit der Zeit einem Wandel unterzogen hat. "Heute überwiegen Feuerbestattungen und anonyme Beisetzungen, die Friedhofsschließungen häufen sich", weiß Schumacher zu berichten, aber dennoch sorgt er sich nicht: "Man erlebt viel als Bestatter".

Quelle: RP/rl


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