Kamp-Lintfort: Von Kumpeln und Heiligen
VON ANJA KATZKE - zuletzt aktualisiert: 28.07.2007Kamp-Lintfort (RPO). Die Geschichte Kamp-Lintforts ist vom Bergbau und von der Kirche geprägt. Zeugnisse dafür sind die (Industrie-)Denkmäler, die sowohl innerhalb als auch außerhalb der Kloster- und Bergbaustadt zahlreich zu finden sind: Prägnantestes Beispiel ist die Seilscheibe an der Moerser Straße.
100 Jahre Bergbau lassen sich in Kamp-Lintfort nicht verleugnen: An vielen markanten Punkten in der Stadt begegnet man Objekten, die von der Industriegeschichte Kamp-Lintforts erzählen. Die Seilscheibe an der Moerser Straße ist eines der größten Zeitdokumente. Nur ein paar Kilometer weiter, auf dem Friedhof Dachsberg, steht ein weiteres Zeugnis: eine etwa 1,50 Meter große Steinfigur. Sie stellt einen Bergmann dar, der einen Schutzhelm, Arbeitshosen und Schuhe trägt. Oberkörper und Arme sind nackt. In der rechten Hand hält er eine Grubenlampe. Das Denkmal erinnert an das Grubenunglück auf der Schachtanlage Norddeutschland. Damals verunglückten 16 Bergleute. 1968 wurde die Steinfigur zur Erinnerung auf dem Friedhof Dachsberg enthüllt, geschaffen wurde sie vom Bildhauer und Steinmetzmeister Ewald Knop. Nachzulesen ist dies in dem Buch „Begegnung mit Kleindenkmälern in Kamp-Lintfort“ von Marga Schneppenheim. Herausgegeben wurde die Arbeit 1998 vom Verein Niederrhein.
Das Aquamobil am Rathaus
Die Autorin listet darin Statuen, Heiligenhäuschen, Kreuze und Gedenksteine auf, die in Kamp-Lintfort zu finden sind. So stellt sie auch die ungewöhnliche Barbara-Skulptur vor, die auf einem Rasenstück am Werkstor der Zeche Friedrich-Heinrich im Oktober 1982 aufgestellt wurde: Aufgemauert auf einen Sockel aus Bruchsteinen steht dort eine kegelförmige Figur mit Kopf, die ihre rechte Hand über einen stilisierten Zechenturm hält. Das Denkmal ist laut Schneppenheim ein Geschenk des Clubs Bratstvo an das Bergwerk, das damals noch Friedrich-Heinrich/Rheinland hieß. Der Club war ein Zusammenschluss von jugoslawischen Mitarbeitern der Schachtanlage.
Ein Beispiel für die kirchliche Prägung Kamp-Lintforts steht an der Rundstraße. Der Metallbildhauer Carlo Dürselen aus Münster schuf am katholischen Gemeindehaus St. Marien ein Kreuz aus etwa vier Meter hohen Edelstahlrundstäben. „Wenn man die Plastik umschreitet, nimmt man drei Kreuze wahr“, berichtet die Autorin. Das ungewöhnliche Kreuz stammt aus dem Jahr 1974. Der Heilige Bernhard steht gleich im Eingangsbereich des gleichnamigen Krankenhauses in Kamp-Lintfort. Gekleidet ist er in eine Mönchskutte der Zistersienser mit einem Überwurf. Statue und Sockel sind aus einem Stein. Geschaffen wurde die Statue von Hans Georg Biermann, Bildhauer und Werkarchitekt in Maria-Laach. Enthüllt wurde sie zum 25-jährigen Bestehen des Krankenhauses im Oktober 1992. Doch in Kamp-Lintfort gibt es auch Kunst im öffentlichen Raum, die nicht von Kirche oder Bergbau inspiriert wurde: Zum Beispiel das Aquamobil zwischen Rathaus und Sparkassengebäude. Es wurde am 5. Juli 1982 als Spende der Sparkasse aufgestellt. Geschaffen wurde das Aquamobil vom Künstler Gottfried Gruner aus Leinfelden.
Er soll 63 weitere Wasserspiele in Deutschland geschaffen haben. Und nicht zuletzt gibt es noch eine Brunnenplastik im Bereich des Busbahnhofs, die vielleicht dem Fachmarktzentrum weichen muss. Dieser Brunnen war ein Geschenk Lintforter Firmen an die Stadt Kamp-Lintfort. Er stand früher mal am Schulzentrum.
Info Marga Schneppenheim, „Begegnung mit Kleindenkmälern“ in Kamp-Lintfort, Verein Niederrhein.
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