Moers: Von Lebenslügen und drei Präsidentinnen
VON ANJA KATZKE - zuletzt aktualisiert: 13.03.2009Moers (RPO). Eine bitterböse schwarze Komödie bringt das Moerser Schlosstheater auf die Bühne in der Kapelle an der Rheinberger Straße: Werner Schwabs "Die Präsidentinnen", ein radikales Stück, das Grenzen ausloten will. Es ist eines der vier Fäkaliendramen, mit denen der Österreicher Schwab in den 90er Jahren äußerst erfolgreich war. "Das Stück ist sprachlich raffiniert gebaut, obwohl die Sprache die Grenzen des guten Geschmacks zuweilen überschreitet", betont Regisseurin Barbara Wachendorff, die mit den drei Schauspielern Kinga Prytula, Angelika Baumgartner und Holger Stoltz die Präsidentinnen für das Schlosstheater realisiert. Schwab, eigentliche Bildender Künstler, hat eine eigene Kunstsprache entwickelt, an der sich "Regisseure regelrecht abarbeiten", sagt Wachendorff. Hinter den Präsidentinnen verbergen sich drei Rentnerinnen, die am gesellschaftlichen Leben nicht mehr teilhaben, sich langweilen und ihre Erinnerungen wiederkäuen. Zwischen den Frauen schwelt ein Konflikt, den sie künstlich aufrechterhalten. "Sie kämpfen, um sich zu spüren", interpretiert die Regisseurin das Verhalten der Figuren.
Schwerpunkt Sprache
In Werner Schwabs Stück geht es um Lebenslust und Lebensfrust, abstoßend und traurig zugleich. Besonders das Wort Scheiße taucht in diversen Varianten auf. "Die Präsidentinnen" ist ein Stück in drei Teilen: "Zunächst erlebt man drei Frauen, die sich in einer Wohnküche eine Schlammschlacht liefern", betont Dramaturg Erpho Bell. Gefolgt von imaginären Szenen, in denen sie sich eine heile Welt erträumen, die in der Realität in einen Mord eskalieren. "Und schließlich beschreibt Schwab die drei Figuren, wie sie sich selbst auf der Bühne sehen", führt der Dramaturg weiter aus. Barbara Wachendorff hat sich mit ihrer Inszenierung von den herkömmlichen Schwab-Interpretationen entfernt. "Der Schwerpunkt liegt gewöhnlich auf der Sprache."
Wachendorff setzt selbst lieber auf eine lebendige Handlung, die Slapstick und Komik, aber auch Erotik herausarbeitet. Dass mit Holger Stoltz ein Mann eine der drei Präsidentinnen spielt, soll aber kein Kunstgriff sein. "Wir setzen nicht auf Travestie", betont die Regisseurin, die bereits mehrfach für das Moerser Theater inszeniert hat. Für die Ausstattung zeichnet Christoph Rasche verantwortlich. Am Sonntag, 15. März, 11.30 Uhr, findet in der Kapelle eine Matinee zur Inszenierung statt. Die Premiere ist für Samstag, 21. März, 19.30 Uhr, in der Kapelle terminiert.
Info Karten unter Tel. 0 28 41 201 731.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum




