Moers: Von Stern zu Stern
VON ANJA KATZKE - zuletzt aktualisiert: 30.10.2008Moers (RPO). Der „Kleine Prinz“ ist gelandet – nicht wie geplant in der Theaterhalle am Solimare, sondern in der Aula des Gymnasiums Adolfinum. Das Publikum erlebte eine humorvolle, temporeiche und sehr poetische Inszenierung.
Aufführungen
Mit dem „Kleinen Prinzen“ bietet das Schlosstheater erstmals ein Weihnachtsmärchen an. 40 Grundschulen haben sich bereits für eine der nächsten Aufführungen des „Kleinen Prinzen“ angemeldet. Diese finden vormittags statt. Karten im freien Verkauf gibt es für die Aufführungen am 31. Oktober, 19.30 Uhr, sowie am 6., 7. und 21. November, jeweils 15 Uhr. Theaterkarten gibt es unter Tel. 028 41 20 17 31.
Die Adolfiner durften zuerst: Als Dank für die große Unterstützung für das Schlosstheater, das in Not geraten war, weil die Sanierung der Theaterhalle am Solimare bis zur gestrigen Premiere nicht fertig gestellt werden konnte, waren die Gymnasiasten die ersten, die in ihrer Aula Julius Jensens Inszenierung des „Kleinen Prinzen“ von Antoine de Saint-Exupéry miterleben durften, besser gesagt seine Piff-Paff-Landung auf der Erde.
Der Regisseur nimmt sein Publikum mit auf eine spielerische Reise durch das Weltall. Eine Raumfahrt, an deren Ende der Prinz erfahren wird, was Freundschaft, Liebe und Abschiednehmen bedeuten, und Antworten auf seine philosophischen Fragen finden wird. Keine Sorge: Den befürchteten, pädagogischen Zeigefinger will Julius Jensen gar nicht heben. Er setzt auf das starke Spiel seiner Schauspieler.
Angelika Baumgartner haucht der von Antoine de Saint-Exupéry geschaffenen Figur gleichermaßen Kindliches, Kluges und Weises ein. Sie spielt das kleine Wesen vom anderen Stern sympathisch – neugierig, wissbegierig und kitzelig wie ein kleiner Junge, der, wenn die Aufregung zu groß wird, schon mal Zuckungen bekommt.
Überhaupt erleben die Zuschauer ein sehr Körper betontes Spiel, das in einer Wüste beginnt: Dort begegnet der Kleine Prinz einem notgelandeten Piloten, der zuerst verzweifelter Zuhörer und später Erzähler ist. Zwischen den beiden entwickelt sich behutsam ein Gespräch, in dem der Kleine Prinz von seinen Reisen berichtet.
Holger Stolz ist jedoch mehr: Er schlüpft in alle anderen Rollen hinein, die die Geschichte aufzubieten hat: Er leiht der Rose seine Stimme, die auf dem Planeten des Kleinen Prinzen lebt, er spielt den König, der über alles herrscht und doch allein ist, den Mann, der die Sterne zählt und sich reich glaubt, und den haarigen Geografen, dessen Stimme stark an Literaturpapst Reich-Ranicki erinnert. Damit haben die Schauspieler zumindest die Lacher der älteren Zuschauer auf ihrer Seite. Julius Jensens Inszenierung kommt nicht beschaulich daher, sondern lebt von der klug eingesetzten Komik.
Es sind die kleinen und witzigen Pointen, die schmunzeln lassen. Zum Beispiel, wenn der Kleine Prinz mitfühlend seiner Rose Ohrenschützer gegen die Zugluft aufsetzt oder mit einem glitzernden Mopp kämpft, der offenbar seinen eigenen Willen hat. Dabei verliert Jensen nie die Poesie aus den Augen, die dem Werk Saint-Exupéry innewohnt.
Die Bühne von Azizah Hock ist dem Publikum leicht schräg zugeneigt. Dort gelingt es dem Regisseur, die Zuschauer mit nur wenigen Requisiten und viel Phantasie in fremde Welten zu entführen. Da wird ein entkleideter Regenschirm ruckzuck zum Funkgerät. Es ist ein kleines Theater, an dem auch große Zuschauer ihre Freude haben werden. Ganz bestimmt.
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